Katrins neue Welt

Irgendwie hat islamistischer Terror doch etwas mit dem Islam zu tun, deshalb sollte Deutschland zur Vorbeugung Moscheen bauen, glaubt Katrin Göring-Eckardt und zieht zur Legitimation die SED-Kirchenpolitik heran.

Sie ist in ihren Äußerungen wahrscheinlich die hoffnungsvollste Visionärin wenn es um die mehrheitlich muslimische Massenweinwanderung nach Deutschland geht. Vielleicht neidet die grüne Fraktionsvorsitzende im Bundestag der Bundeskanzlerin  auch den Titel „Mutter aller Gläubigen“, den arabische Zuwanderer und Zuwanderungswillige bereits im Spätsommer Angela Merkel zugedacht haben sollen. Wenn es um die schrillsten Verbalisierungen der „Willkommenskultur“ ginge, hätte Katrin Göring-Eckardt den Titel auch viel eher verdient, als die Kanzlerin mit ihrem simplen „Wir schaffen das“.

Es irrt, wer nun dachte, mit ihrer Belehrung an uns Deutsche, wir bekämen doch „Menschen geschenkt“, hätte sie ihr Potential erschöpft. Dem Tagesspiegel gab sie jetzt ein bemerkenswertes Interview.  Sie braucht dort allerdings etwas Anlaufzeit, bevor sie mit ihren flüchtlingspolitischen Glanzleistungen aufwartet.

Das mag damit zu tun haben, dass die Interviewerin zuerst mit völlig unpassenden Fragen nervt.  Offenbar hat sie noch das Bild von der Vorzeige-Protestantin Katrin Göring-Eckardt vor Augen, als sie wissen will, ob wir nicht den Christen, als im Orient derzeit mit Abstand am stärksten bedrohter Menschengruppe, nicht auch mit höchster Priorität helfen müssten. Natürlich nicht, weiß Katrin, alle pauschal zu Flüchtlingen erklärten Zuwanderer sind gleich zu behandeln, egal ob Christen oder Muslime.

Das ist auch konsequent, denn in unserer gegenwärtigen „Willkommenskultur“ machen wir ja auch keinen Unterschied mehr zwischen Verfolgten und ihren Verfolgern. Nein, Letzteres hat sie nicht gesagt, das ist nur eine gemeine Bemerkung des Autors, denn Katrin weiß natürlich: „Es gibt übrigens nicht nur Konflikte zwischen Muslimen und Christen, sondern auch zwischen unterschiedlichen Ausprägungen des Islam. Schließlich leben in den Unterkünften auch Menschen muslimischen Glaubens, die vor islamistischer Verfolgung geflohen sind.“[1]

Aber gut, das hat alles ja noch keinen Nachrichtenwert. Aber vielleicht dies: Katrin hat eine bahnbrechende Erkenntnis und widerspricht damit sogar der „Mutter aller Gläubigen“: „Man wird offen sagen müssen, dass das, was Islamisten an Terror und Ideologie verbreiten, auch etwas mit dem Islam zu tun hat.“

Dann war alles falsch, was wir nach jeder islamistischen Mordtat in den vergangenen Jahren von unseren Regierenden gehört haben? Kann denn dann „der Islam“ überhaupt noch zu Deutschland gehören? Wenn die Wohlmeinenden dieses Landes jetzt fürchten, alle gewohnten Gedankengebäude könnten einstürzen, so seien sie beruhigt. In Katrins neuer Welt hat neben einer unangenehmen Erkenntnis auch die gegenteilige Schlussfolgerung Platz: „Natürlich ist der Islam keine Religion, die per se böse ist. Auch im Islam geht es um Nächstenliebe, und es gibt einen barmherzigen Gott. Und so wie im Alten Testament steht ‚Auge um Auge und Zahn um Zahn‘, gibt es Passagen im Koran, die man nicht als Anleitung zum Handeln nehmen darf.“

Dumm nur, dass in fast allen Moscheen gepredigt wird, dass der Koran, als Gottes Wort, eine ausnahmslose Anleitung zum Handeln ist. Da muss sich Katrin Göring-Eckardt wohl noch als islamische Reformatorin engagieren und den Imamen in Deutschland predigen: „Es muss klar sein, dass der Islam in Europa ein aufgeklärter, demokratisch fundierter Islam sein muss, der sich klar von Terror und Erpressung abgrenzt. Aber es muss auch deutlich werden, dass man diese Religion auch in einem demokratischen Land leben kann und es einem dabei sogar besser gehen kann als in jedem islamistischen Regime.“ Das ist sicher so, zumindest solange sich die „Ungläubigen“ noch konsequent darum kümmern, dass die demokratischen Spielregeln eingehalten werden.

Katrin sorgt sich in ihrer neuen Welt mit den vielen muslimischen Menschen, die sie „geschenkt“ bekommen hat, aber mehr um den Islam. Und da ist ihr jedes Argument recht: „Wenn wir in Deutschland über Städtebau reden, werden wir auch darüber diskutieren müssen, dass es ausreichend Moscheen gibt. Sogar in der DDR wurde dafür gesorgt, dass es zwischen den Plattenbauten eine Kirche gab. Hinterhofmoscheen sind keine Lösung!“

Katrin deutet uns hier nicht nur die Zukunft, sondern gleich auch noch die Vergangenheit neu. Die SED soll sich in der DDR darum gesorgt haben, dass in den Neubaugebieten Kirchen gebaut werden? Die SED, die im Verlaufe der DDR-Existenz mehr als 60 Kirchen sprengen oder abreißen ließ? Haben wir die vielen Kirchtürme in Plattenbauvierteln immer nur übersehen?

Sicher, es gab auch einige Kirchen-Neubauten in der DDR, doch nicht, weil sich die SED darum gesorgt hätte, sondern weil sie dafür Gegenleistungen einforderte. Die Genehmigung eines Kirchen-Neubaus brachte dem klammen Regime dringend benötigte Devisen. Die West-Kirchen mussten für den Bau einer Kirche im Osten in West-Geld die Preise bezahlen, die die staatlichen DDR-Bauunternehmen, die zur Bauausführung vorgegeben waren, aufriefen. Gelegentlich waren die Gegenleistungen auch noch anderer Art. Ein Neubau am Rande von Ost-Berlin konnte beispielsweise auch deshalb entstehen, weil die Kirche zuvor auf ein Mauer-Grundstück verzichtete und die SED auf diese Weise ganz legal die symbolische Versöhnungskirche im Todesstreifen sprengen lassen konnte.[2]

Katrin Göring-Eckardt muss das eigentlich wissen, denn sie kommt aus der DDR und auch aus der Evangelischen Kirche. Weshalb dann diese Analogie? Ist sie vielleicht gar nicht so falsch, wie es auf den ersten Blick aussieht? Vielleicht will Katrin ja die von Saudi-Arabien angebotenen Moschee-Neubauten für Flüchtlinge annehmen? Geschenkte Moscheen für geschenkte Menschen. Was für ein Ausblick in der Weihnachtszeit.

[1] Alle Zitate aus: http://www.tagesspiegel.de/politik/interview-mit-katrin-goering-eckardt-in-fluechtlingsheimen-gelten-die-regeln-unseres-zusammenlebens/12765022.html

[2] Siehe auch: Christian Halbrock: Weggesprengt. Die Versöhnungskirche im Todesstreifen der Berliner Mauer 1961-1985, Sonderheft 2008, 17. Jahrgang, ISSN 1437-6164, www.horch-und-guck.info

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