Ein Beinahe-Tod in Oschersleben

Auf viel Empathie wird dieses Opfer nicht hoffen dürfen. Vielleicht fragen Sie sich, warum nicht, wenn Sie hören, dass der 34-jährige Mann überfallen und beinahe erschlagen wurde. Nur eine Notoperation konnte sein Leben noch retten. Aber wahrscheinlich gehört er zur rechtsextremen Szene und hatte zuvor an einer rechten Demonstration teilgenommen, was den Überfall aus der Sicht der Angreifer hinreichend legitimiert und kaum Mitgefühl für den Angegriffenen aufkommen lässt. Wenn Schlägertrupps der Antifa auf Menschen losgehen, die sie für Rechtsextremisten halten – die vielleicht auch tatsächlich welche sind – dann werden sie in der öffentlichen Wahrnehmung meist so wie ungezogene Jungs behandelt, die im „Kampf gegen rechts“ etwas über die Stränge schlagen.

Niemand bestreitet, dass es richtig und wichtig ist, gegen gewaltbereite und gewalttätige Rechtsextremisten vorzugehen. Aber es ist unverständlich, warum die Rechtsextremen immer noch in der exklusiven Rolle sind, von den politisch Verantwortlichen vor allen anderen als Gefahr für die Demokratie bekämpft zu werden, während andere ebenso demokratiegefährdende extremistische Strukturen immer noch als harmloser angesehen werden, bzw. als Beteiligte am „Kampf gegen rechts“ sogar hier und da etwas von der staatlichen Förderung abbekommen, die doch eigentlich der Verteidigung der Demokratie dienen soll.

Ob sich auch die zwei Dutzend mutmaßlich linksextremen Kämpfer, die am Samstagnachmittag am Bahnhof von Oschersleben einigen Männern aus der rechten Szene auflauerten, einmal fördern ließen, weiß derzeit natürlich niemand. Die Täter sind noch nicht ermittelt. Die Gruppe vermummter Männer erwartete am Bahnhof die Heimkehrer von einer rechten Demonstration in Magdeburg. Dort gab es friedliche Gegendemonstrationen. Möglichkeiten, den Rechten zu zeigen, was man von ihrem Aufmarsch hält, waren hinreichend vorhanden. Verzweifelte Wut kann man den Tätern dieses geplanten Angriffs also schwerlich zu Gute halten.

Die schätzungsweise 20 bis 25 vermummten Angreifer gingen mit Eisenstangen und Baseballschlägern auf die zehn überraschten Demonstrationsrückkehrer los. Sechs Männern gelang die Flucht, vier wurden zusammengeschlagen und teils schwer verletzt. Einer erlitt lebensgefährliche Kopfverletzungen, sein Leben konnte nur knapp durch eine Notoperation gerettet werden.

Es ist ein Zeichen, dass die Brutalität der Extremisten zunimmt. Aller Extremisten. Man kann sich offizielle Reaktionen und das Medienecho ungefähr ausmalen, hätten Vermummte einen Linken mit Baseballschlägern und Eisenstangen fast zu Tode geprügelt. Er hätte – zu Recht – mit Mitgefühl und dem Versprechen, die Täter mit aller Härte zu verfolgen, rechnen dürfen. Es wäre auch ein Fall gewesen, den Bundesjustizminister Heiko Maas zum Beleg genommen hätte, warum es so wichtig ist, neue Programme im „Kampf gegen rechts“ aufzulegen. Zur SPD-Vorstandsklausur in Nauen am Sonntag hatte er dies wieder angekündigt, am gleichen Tag also, an dem die Polizei in Oschersleben vom beinahe durch Linksextremisten getöteten Rechtsdemonstranten berichtete.

Das konnten die Genossen natürlich nicht wissen. Hätte es sie zum Nachdenken gebracht, wie wichtig es ist, extremistische Gewalt jeglicher Ausrichtung gleichermaßen zu bekämpfen? Es ist hypothetisch. Beschlossen haben die Genossen, dass sie sich dafür einsetzen wollen, dass es für den „Kampf gegen rechts“ 100 Millionen Euro Fördermittel geben soll. Die Antifa wird’s freuen. Wäre man sarkastisch, müsste man ergänzen, dass ja der Staat auch die Rechtsextremisten nicht unversorgt lässt, schließlich bezahlt ja der Verfassungsschutz den Rechtsextremen etliche ihrer Funktionäre als V-Leute.

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