Die Unterlegenen im Schlafplatz-Wettbewerb

Die Nachricht war kein Aufreger, sorgte mithin für keine erregte öffentliche Debatte. Ein obdachloser Mann lag am Wochenende tot auf dem Kurfürstendamm in Berlin. Die Polizei schloss Fremdverschulden aus, die Obduktion soll nun Gewissheit bringen, ob sich folgende Vermutung bestätigt: Tod durch Erfrieren. Der Tote vom Kurfürstendamm wäre dann der erste Kältetote dieses Jahres und dieses Winters in der deutschen Hauptstadt.

Man könnte diesen Tod jetzt mit leichtem Bedauern abhaken, denn, so tragisch es auch ist, immer wieder erfrieren Obdachlose in einer kalten Winternacht. Es ist halt eine harte Zeit für Menschen, die auf Straße leben müssen, sagt auch eine Bekannte des Toten der „Berliner Morgenpost“: „Er war gestern noch am Imbiss an der Hardenbergstraße“, sagt die Frau, die selbst seit vielen Jahren unter einer Brücke am Bahnhof Zoo lebt. Seit dem Einbruch der Kälte sei das Überleben auf der Straße hart geworden. „Wir haben gute Schlafsäcke, die für Minustemperaturen ausgelegt sind, aber viele Obdachlose habe nur dünne Decken aus Spenden.“[1]

Spenden, auch von Winterkleidung, an Obdachlose haben enorm abgenommen, denn die Kleiderspenden gingen und gehen heutzutage meist an Asylbewerberunterkünfte. „Flüchtlinge“ auszustatten hat in den letzten Monaten in der veröffentlichten Wahrnehmung ein besseres Prestige bekommen, als die Hilfe für gestrauchelte Einheimische. Die sind oft nicht jung und tatkräftig, sondern gescheiterte Existenzen, mithin nicht so sexy und schon gar nicht so medienpräsentabel.

Außerdem: Die Unterbringung und Versorgung der „Flüchtlinge“ zu schultern ist derzeit Chefsache, einheimische Unbehauste beschäftigen allenfalls die untersten Ränge der deutschen Sozialbürokratie. Auch freiwillige Helfer lassen sich da schneller für die Betreuung von Asylbewerbern als für den ehrenamtlichen Dienst an den heimischen Armen mobilisieren.

Und auch an Schlafplätzen für Frostnächte mangelt es. Zwischen 3000 und 6000 Menschen leben in Berlin auf der Straße, schätzen Experten, für sie stehen nur 730 Betten in den Notübernachtungseinrichtungen zur Verfügung. Eine Entlastung ist nicht in Sicht. Für Obdachlosenschlafplätze werden keine Turnhallen oder alte Bürogebäude beschlagnahmt. Im Gegenteil: Betreibern von Obdachlosenunterkünften werden von Vermietern die Räume gekündigt, weil es lukrativer ist, die Immobilien anschließend für die Asylbewerberunterbringung zu vermieten. „Flüchtlinge“ bringen einfach mehr Geld.

Jüngstes Beispiel: Anfang Januar hat der Vermieter eines Gästehauses für Obdachlose in Moabit dem Betreiber gekündigt, die Nachnutzung zur Asylbewerberunterbringung wird offenbar vorbereitet. Als die Kündigung in der Lokalpresse für Aufregung sorgte, erklärten Bezirkspolitiker zwar treuherzig, keine ehemaligen Odachlosenquartiere für „Flüchtlinge“ anmieten zu wollen, doch bei den vielen Neuankömmlingen werden die Verantwortlichen schnell auf jede Immobilie zugreifen müssen, die ihnen angeboten wird. Da ist ein solches Versprechen rasch vergessen.

Da sich der Mangel an preiswertem Wohnraum durch die massive Zuwanderung ebenfalls verschärft, dürfte die Zahl der Wohnungslosen zudem noch steigen. Keine guten Aussichten. Auch weitere Kältetote unter Obdachlosen sind leider noch zu erwarten. Der erste ist nun schon gestorben. Der Mann hat es in den Zeiten des „Wir schaffen das“ leider nicht geschafft, könnte man nun bitter kalauern. Der berühmte Kanzlerin-Satz gilt eben nur für Asylbewerber. Und damit die Schlussbemerkung nicht missverstanden wird: Schuld daran sind nicht die „Flüchtlinge“, sondern die Politiker, die einen solchen Verdrängungswettbewerb um elementare soziale Leistungen haben entstehen lassen.

[1] Zitiert aus http://www.morgenpost.de/berlin/article206931765/Obdachloser-stirbt-am-Kurfuerstendamm.html

 

1 Kommentar

  1. I. Schuler

    Danke für diesen Kommentar. Dem ist nichts hinzuzufügen außer dem Hinweis, daß auch die Einheimischen, die wegen ihres geringen Einkommens auf die Tafel angewiesen sind, häufig genug nichts mehr erhalten, weil so viele Migranten ebenfalls zur Tafel kommen und sich dort teilweise so aggressiv verhalten, daß die Helfer in ihrem gutgläubigen Bemühen um gerechten Ausgleich chancenlos sind. Hier spielt sich genau das ab, was von Pegida-Demonstranten befürchtet wurde: daß es einen Verdrängungswettbewerb zwischen den Migranten und armen Einheimischen gibt um Arbeit, Wohnraum etc. Jetzt geht es sogar um warme Winterkleidung und Übernachtungsplätze. Das Handeln der Politik ist eine Schande! Das Verhalten der Hausbesitzer ebenso.

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