Assad-Truppen in Köln

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Haben Sie das Gefühl, Ihnen fehlt mal wieder eine neue Verschwörungstheorie? Ist es Ihnen auf die Dauer zu langweilig, dass bei fast allen aktuellen Verschwörungstheorien am Ende immer die USA und/ oder Israel bzw. gleich „die Juden“ als Drahtzieher entlarvt werden? Dann hat Jan-Philipp Hein für Sie etwas Lesenswertes im „Flensburger Tageblatt“ geschrieben. Er erklärt seinen Lesern, warum die Russen an allem schuld sind.

Wenn Sie doch schon, was ja ein Faktum ist, Demonstrationen von Russlanddeutschen organisieren können, warum ist nicht auch alles andere, was die Stimmung in Deutschland vergiftet, von Moskau aus gesteuert? Vielleicht waren die prügelnden, stehlenden und vergewaltigenden Männer in der Silvesternacht gar keine Nordafrikaner, die ihren Trieben und kulturellen Gewohnheiten gefolgt sind, sondern Figuren in einem Spiel des russischen Geheimdienstes?

Das hätte für die deutsche Debatte den eindeutigen Vorteil, dass es einen Schuldigen gäbe, der nichts mit dem Islam und nichts mit Flüchtlingen zu tun hat. So wie es deutsche Politiker immer schon gesagt haben. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, so die Stimmung aufzuhellen, sollten wir uns die Welterklärung von Jan-Philipp Hein doch einmal genauer anschauen.

Er beginnt seine Gedanken mit einem Zitat aus einem Interview der „Wirtschaftswoche“ mit Ulrich Wickert vor wenigen Tagen: „Ich persönlich halte es nicht für ausgeschlossen, dass der russische Geheimdienst den Begriff ‚Lügenpresse‘ in Deutschland verbreitet hat.“

Da schließt sich doch folgender Gedanke fast folgerichtig an: „Vielleicht geht der ehemalige Tagesthemen-Moderator nicht weit genug. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass der russische Geheimdienst die sexuellen Massenübergriffe in der Silvesternacht inszeniert hat. Wie Wickert für seine These, habe ich für meine allerdings auch keinen Beleg.“[1]

Wenn es Ulrich Wickert auch nicht besser geht, dann kann man doch – genau wie er – die eigene These der Welt nicht verschweigen. Auf die Krim hatte Russlands Präsident Putin schließlich auch „grüne Männchen“ geschickt.

„Hat Putin grüne Männchen auf die Kölner Domplatte entsandt? Nein. Aber vielleicht als syrische Flüchtlinge getarnte Anhänger seines Verbündeten Assad.“ Dass es nach offiziellen Angaben keine Syrer, sondern Nordafrikaner gewesen sind, die da in Köln ihre Gruppenüberfälle begingen, verunsichert den Kollegen nicht. Es sind ja schließlich alles Araber, oder? Und für das Einschleusen der arabisch-russischen Agenten hat er schließlich ein deutliches Indiz gefunden: „Im September brachte die ARD im ‚Weltspiegel‘ eine Reportage über Syrer, die via Moskau, Murmansk und das russische Grenzstädtchen Nikel nach Norwegen und damit ins Schengen-Gebiet als Flüchtlinge einreisen.

‚Es laufe eine geheime Operation‘, habe ein Informant dem ARD-Reporter gesagt – drei Monate vor Silvester. Der ARD-Journalist sieht im Grenzgebiet fast nur Männer aus Syrien.“

Auch aus der Türkei kommen größtenteils Männer. Ist das nun eine verdeckte Aktion von Erdogan gegen Deutschland? Der Logik von Heins Theorie folgend, müssten wir das vermuten. Aber um Erdogan geht es nicht. Lesen wir weiter: „Vielleicht keine irre Geschichte, sondern der Baustein einer gezielten Zersetzung. Putin unterstützt mit dem syrischen Präsidenten Assad den übelsten Schlächter des Nahen Ostens, der als Hauptquelle der Flüchtlingsströme gilt, und bekommt von ihm als Gegenleistung vielleicht junge Männer, die Russland für seine hybriden Kriege einsetzen kann – etwa als Sex-Attentäter in Köln, Hamburg und Stuttgart. Klingt das wie eine Verschwörungstheorie? Ja. Andererseits: Der Krim-Plot war auch kaum zu glauben und dennoch wahr.“

Wir sind ja in Zeiten, in denen wirklich vieles lange Unglaubliche jetzt tatsächlich geschieht. Aber allein der Umstand, dass etwas unglaublich ist, sollte für Journalisten noch nicht als Grundstock für eine Geschichte reichen. Oder was kommt als Nächstes? Dass in Paris eigentlich auch russische Agenten geschossen haben?

[1] Alle Zitate aus: http://www.shz.de/regionales/schleswig-holstein-am-sonntag/attacken-an-silvester-gruene-maennchen-auf-koelns-domplatte-id12607041.html

3 Kommentare

  1. Hakri

    Dazu fällt mir nur eine Szene aus dem ersten Werner Beinhart Fil ein. Meister Röhricht geht völlig verwirrt aus einer ihm völlig unverständlichen Szene ab mit den Worten:Eckhard, ich glaub‘ die Russen sin‘ da (oder so ähnlich)

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  2. G.v.Bouillon

    syrischen Präsidenten Assad den übelsten Schlächter des Nahen Ostens

    Wenn ich mich mit, schon vor Jahren eingewanderten Syrern, das sind überigens zumeist Ärzte, unterhalte, ist das Assad Bild das ich im Gespräche gewinne, durchaus ein anderes.

    Wohlan…

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  3. alexander.zeiler

    THX.Leider ist es heute gang und gebe, dass für gar nicht mal wenige gilt: Je komplizierter die Geschichten, um so wahrscheinlicher ist’s. Wenn nur in diesen Aluhut-geschichten nicht so ein gefährliches Potential stecken würde.
    Da wäre doch mal eine Recherche wert, was es mit der Migrationswaffen-Theorie so auf sich hat, so als Vorschlag – so, oder doch nicht? Durcheinander grüßt
    Calexmigo

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