Arabisch für alle

Der Präsident der privaten Kühne Logistics University in Hamburg, Thomas Strothotte, war zuvor Rektor der Universität Regensburg. Mit diesem Hintergrund sollte man ihn für einen ernstzunehmenden Mann halten. Da verunsichert es einen schon, wenn dieser Mann plötzlich mit der Forderung nach einem verpflichtenden Arabisch-Unterrichts für deutsche Schüler durch die Meldungen rauscht. Noch besser wäre es aus seiner Sicht, das Arabische würde neben dem Deutschen als gleichberechtigte Unterrichtssprache bis zum Abitur eingeführt. „Wir würden damit anerkennen, ein Einwanderungsland und eine mehrsprachige Gesellschaft zu sein.“, lässt sich Strothotte zitieren.

Also weg mit der Forderung, dass die Einwanderer Deutsch lernen müssen? Die Deutschen können doch einfach noch mehrsprachiger werden. Und warum dann nur Arabisch? Wenn es um die Asylbewerber geht, dann könnten wir doch auch noch Paschtu, Urdu oder Tigrinya als Schulsprachen einführen? Oder geht es darum, dass mit Arabisch-Kenntnissen auch die Koran-Rezitationswettbewerbe leichter zu bestreiten sind?

So zu argumentieren scheint dem Universitätspräsidenten dann wohl auch etwas zu abwegig. Lieber verweist er auf den großen Nutzen, von dem wir ja auch schon im Zusammenhang mit der Zuwanderung wiederholt hören. Wenn die arabische Welt sich von all den Kriegen und dem Chaos erholt haben wird, verspricht uns Strothotte, dann sind wir ganz vorn dabei, wenn in Arabien Geld verdient wird. Die Frage, warum wir unsere Kinder dann jetzt nicht lieber Chinesisch lernen lassen, um in einer Region ganz vorn dabei zu sein, die schon wirtschaftlich entscheidend ist und in der wir nicht erst lange auf ein Kriegsende warten müssen, bleibt unbeantwortet.

Ohnehin ist unklar, warum Strothotte jetzt mit einer solchen Forderung in die Öffentlichkeit drängt? Pflegt der gebürtiger Kanadier mit deutschen Vorfahren, hier vielleicht einen uns unbekannten Fastnachtsbrauch? Ernst gemeint kann das doch nicht sein. Zumal er doch wissen muss, was er tut, wenn er das Pflicht-Arabisch in einer Zeit fordert, in der die deutsche Gesellschaft in Zuwanderungs- und Integrationsfragen ohnehin etwas gereizt ist.

Vor einem Jahr hätten wahrscheinlich alle Redakteure, die diese Geschichte jetzt in ihre Publikationen aufnehmen, das Ganze lächelnd als Unsinn abgetan, der nicht weiter berichtenswert ist. Man ist geneigt, diesen Zeiten melancholisch hinterherzutrauern.

Aber jetzt findet selbst solch ein absurder Vorstoß seinen Platz in der Medienarena und darf die Stimmung weiter anheizen. Denn welche Signale sendet der Herr Universitätspräsident denn damit? Es sind die Signale der Anpassung der Einheimischen an die Kultur der Zuwanderer.  Das stärkt die Empörten und empört die Verunsicherten. Was wir – zu Recht – keiner anderen Zuwanderergruppe, ob Türken, Russen oder Polen, zugestanden haben, soll jetzt ein Privileg der Araber werden, weil sie gerade in Massen kommen?  Ist der Herr Universitätspräsident vielleicht ein heimlicher AfD-Wahlkampfhelfer? Das bleibt Spekulation.

Aber manchmal wäre es wirklich nicht schlecht, Arabisch zu können. Dann wäre man in der Lage, zu beurteilen, was in den 100 Kinderbüchern steht, die heute von Naimeh Hollmann, der Vorsitzenden der Gesellschaft für Deutsch-Arabische Begegnungen (GDAB), an die Hamburger Bücherhallen übergeben werden. Die arabische Kinderlektüre ist ein Geschenk von Sultan bin Muhammad Al-Qasimi, dem Scheich von Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Mit den gespendeten Büchern erweitere die Kinderbibliothek Hamburg ihr Angebot an Medien für Flüchtlingsfamilien, hieß es. Welche Inhalte will der Scheich den Kindern wohl vermitteln? Europäische Werte? Wäre es zudem nicht besser, gerade die Kinder durch deutschsprachige Angebote zum schnellen Deutsch lernen zu animieren? Vielleicht setzt sich ja Thomas Strothottes Forderung nicht durch und die Zuwandererkinder müssen die Schule tatsächlich in der Sprache der Eingeborenen absolvieren.

 

3 Kommentare

  1. El Gordo

    So eine Forderung ist in erster Linie eine Abgrenzung. Man beobachtet das oft im Leben: Verlierer gesellen sich zu Verlierern. Gewinner zu Gewinnern. Wenn deutsche Eliten die Zukunft in Arabien, dem Iran, Russland usw. sehen, sagt das auch etwas darüber aus, wohin bei uns die Reise geht. Wer viele Jahre lang westliche Werte nur noch verächtlich in Anführungszeichen setzt, driftet eben näher an die barbarische Alternative.

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  2. dentix07

    Das ist auf Arabisch nicht sagbar! 🙂

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  3. Emmanuel Precht

    Was heißt eigentlich: „Merkel muss weg!“ auf Arabisch?

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