Vertraute Fremdheit

„Jene Viertel, die damals, als Mevlut nach Istanbul gekommen war, als „außerhalb der Stadt“ gegolten hatten, glichen einander dreißig Jahre später immer mehr: acht- bis zehngeschossige, viel zu nah aneinander gebaute minderwertige Hochhäuser mit Riesenfenstern, holprige Straßen, […] Kaffeehäuser voller fernsehender Männer, […] In jedem Viertel gab es eine Atatürk-Büste und eine Moschee, und an jeder Hauptstraße eine Akbank und eine İş-Bank, sowie eine Einkaufspassage mit einem Juwelier-, einem Socken-, einem BH-Laden sowie einem Copy-Shop, einer Glaserei und einer Wechselstube darin.“

GELESEN: „Es ist ein Ruf aus einer vergangenen Zeit: Jahrhundertelang prägten die Boza-Verkäufer das Stadtbild Istanbuls, zogen mit ihren Körben über den Schultern durch die Straßen und verteilten das traditionelle Getränk aus Asien, gebraut aus vergorener Hirse, dunkelgelb, wohlriechend und leicht alkoholisch.“, heißt es in einer Kritik des NDR. Und weiter:

Orhan Pamuk erkunde in seiner Literatur die melancholische Seele seiner Heimatstadt, so lobte die Nobelpreiskommission 2006 den türkischen Autor. Mit dem Straßenverkäufer hat Pamuk ein weiteres starkes Bild für diese Melancholie gefunden. Mevlut Karatas heißt er, geboren in einem kleinen Dorf nicht allzu weit von Istanbul – ein gutherziger, aber etwas naiver Held, in der Tradition des Soldaten Schwejk oder von Candide. An seinem Beispiel, seinem Leben, erzählt Pamuk die Geschichte der Stadt, erzählt von Konflikten zwischen Kommunisten und Traditionalisten, vom Militärputsch 1971 – und vor allem von der langsamen Entwicklung Istanbuls zu einer Großstadt.

Orhan Pamuk setzt dabei viel voraus: Wer nicht weiß, wofür bestimmte Stadtteile Istanbuls stehen, wird ihm nicht immer folgen können. Dazu vermischt er fiktive und reale Ereignisse: So taucht Celal Salik als scheinbar historische Person wieder auf, der Protagonist aus Pamuks Roman „Das schwarze Buch“. Typisch für Pamuk, für den in seinem Werk vor allem die Frage nach Authentizität und Identität im Mittelpunkt steht.  Mehr hier: http://www.ndr.de/kultur/buch/Orhan-Pamuk-Diese-Fremdheit-in-mir-,diesefremdheit102.html und http://www.br.de/radio/bayern2/kultur/diwan/orhan-pamuk-diese-fremdheit-in-mir-100.html

Leseprobe

Orhan Pamuk: Diese Fremdheit in mir

aus dem Türkischen von Gerhard Meier, Seitenzahl: 592 Seiten, Genre: Roman, Verlag: Hanser Literaturverlage, Preis: 26,00 €

http://www.hanser-literaturverlage.de/buch/diese-fremdheit-in-mir/978-3-446-25058-1/

 

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