Die Rechte der Rechten …

… sind für viele wohlmeinend gegen rechtes Gedankengut Engagierte ein Problem. Beispielsweise dürfen sie Mietverträge abschließen, wie jeder andere geschäftsfähige Einwohner dieses Landes. Und um sie mit der von ihnen bevorzugten Kleidung zu versorgen, dürfen auch Geschäfte öffnen, die die Marke Thor Steinar anbieten. Bisher halfen die Proteste engagierter Gruppen regelmäßig, Vermieter dazu zu bewegen, diesen Läden den Mietvertrag zu kündigen. Jetzt gehen die Betreiber dazu über, Häuser zu kaufen, in denen die Läden dann eingerichtet werden. Soll dies nun auch verhindert werden? Vielleicht durch Präventivkäufe?

Dem Oseberg-Laden in der Leipziger Straße in Halle war anzusehen, dass er viele Gegner hatte, die ihre Ablehnung gern an der Hausfassade und der Ladenfront kundtaten. Als Verkäufer der bei Rechtsextremen und Rechten beliebten Marke Thor Steinar haben solche Läden in nahezu jeder deutschen Stadt das gleiche Problem. Es hagelt Proteste, es gibt Demonstrationen und der jeweilige Vermieter wird peinlich befragt, wie er denn einen Mietvertrag mit einem solchen Geschäft abschließen konnte. Meist erklärt der Vermieter, nichtsahnend in den Vertrag hineingestolpert zu sein und gar nicht gewusst zu haben, dass es sich bei dem Mieter nicht um ein ganz normales Bekleidungsgeschäft handele. Es folgt die Kündigung. Alle erheblichen Mittel werden ausgeschöpft, um den ungeliebten Mieter wieder loszuwerden, begleitet von unterstützenden Worten aus der Kommunalpolitik.

Um diesem Teufelskreis zu entgehen haben die Thor-Steinar-Verkäufer ihre Taktik offenbar verändert.

Der Oseberg-Laden in Halle musste die Leipziger Straßen ebenfalls nach Kündigung des Mietvertrags verlassen. Doch nicht weit entfernt, in der Oleariusstraße, öffnet das Geschäft wieder. Diesmal ist eine Kündigung des Vertrages wohl nicht zu befürchten, denn der Eigentümer vermietete den Laden sofort nach Kauf des Hauses an den Thor-Steinar-Vertrieb. Käufer der Immobilie ist eine Dimo Logistik GmbH in Königs Wusterhausen. Dort am Ort hat auch die Thor-Steinar-Vertriebsfirma Media Tex GmbH ihren Sitz. Das müsste noch nichts bedeuten, allerdings hatte es schon in Hannover die Situation gegeben, dass Dimo-Logistik ein Haus gekauft hatte und das Ladengeschäft sofort danach an einen Thor-Steinar-Laden vermietete.

In Halle äußern nun die Lokalpolitiker ihre Sorge vor dem Imageschaden oder um die Attraktivität der Innenstadt. Auch der Ärger über Immobilienbesitzer, die Geschäfte mit den Rechten machen, ist lautstark zu vernehmen. Im Falle der Oleariusstraße hatte der Verkäufer allerdings kaum eine Wahl. Der Rentner musste verkaufen, weil er Geld brauchte. 340000 Euro konnte er für das Haus erlösen. Einer Lokalzeitung sagte er, dass es zwar noch fünf andere Interessenten aus Halle gegeben hätte, doch die hätten den Hauskauf am Ende nicht finanzieren können. Die Banken gaben ihnen keinen Kredit. Also hat er an Dimo Logistik verkauft.

Lösen ließe sich dies nur, wenn jede Immobilie, für die sich die Rechten interessieren, ihnen vor der Nase weg kauft. Wenn sich die NPD oder einschlägig bekannte Rechtsextremisten in den vergangenen Jahren größere Immobilien für Schulungszwecke und ähnliches kaufen wollten, gab es in der Vergangenheit wiederholt Initiativen, die begehrte Immobilie zu erwerben. Mal sammelten engagierte Gruppen, mal sprang die Stadt ein. Sollte dies nun auch Schule machen, wenn sich Thor-Steinar-Verkäufer für ein Haus interessieren?

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.