Verostung der Welt

„In diesem Buch hat er die oft schnoddrige Lakonie seiner Alkohol-Benzin-und-Männerschweiß-Geschichten hinter sich gelassen und formuliert hochsensibel, gelegentlich auch erfreulich radikal, was dieser Osten für ihn bedeutet.

Zwischen Staub und Eternitplatten, in abweisenden Städten und weltvergessenen Dörfern, begegnet er den Eindrücken und Gefühlen seiner eigenen Kindheit und Jugend wieder. So die Geschichte seiner Eltern und deren ganzer Generation, die mit den Versprechungen eines kommunistischen Paradieses aus ihren armseligen Bauerhöfen in die strahlende Zukunft aufbrachen und in Vorstädten und Fabriken ankamen.“[1]

„Rockstar und Rebell: Andrzej Stasiuk ist einer der wichtigsten Autoren Polens. „Der Osten“ ist sein großes Lebensthema. […] Entstanden ist eine poetisch-sensible und analytisch-vielschichtige Betrachtung darüber, wie sich Geschichte in Materie transformiert und wie diese Materie bis heute die Identität von Menschen formt. Menschen, die in den entferntesten Peripherien von Warschau oder Kiew leben, von Moskau oder Irkutsk, von Ulan-Bator oder Peking. So weit im Osten nämlich endet Stasiuks Reise, die knapp 300 Seiten zuvor im Dorf seiner Großmutter begonnen hat, das heute am Grenzfluss Bug liegt. […] Schien es zuweilen, als würde der Autor in einigen seiner Bücher den Osten idealisieren, ist in diesem Buch davon nichts mehr zu spüren. Wie ein Außerirdischer bewegt er sich in fremden Städten und aus der Zeit gefallenen Weilern und notiert erstaunt, wie er in allen der eigenen Kindheit wiederbegegnet. […] Egal ob im Dorf am Bug, im zugigen Irkutsk oder im Nichts von Transbajkalsk – überall sieht er die weißen Knochen des kommunistischen Experiments aus dem Sand ragen. […]

Es ist kein freundliches Fazit, das Stasiuk am Ende seiner Reise zieht. Überall, schreibt er an einer Stelle des Buches, habe er Menschen getroffen, die auf die Wiederkehr der Vergangenheit warteten. Er ist sich sicher: Sie wird wiederkommen, in einer Verkleidung, die wir nicht rechtzeitig erkennen werden. „Der Osten“ ist Stasiuk tiefgründigstes Buch – aber auch sein bitterstes.“[2] Rezensionen hier und hier

Leseprobe

Andrzej Stasiuk: „Der Osten“

aus dem Polnischen von Renate Schmidgall, Seitenzahl: 297 Seiten, Genre: Roman, Verlag: Suhrkamp, Bestellnummer: 978-3-518-42535-0, Preis: 22,95 €

[1] http://www.deutschlandradiokultur.de/andrzej-stasiuk-der-osten-zeitreise-nach-china.950.de.html?dram:article_id=344790

[2] https://www.ndr.de/kultur/buch/Andrzej-Stasiuk-Der-Osten,derosten102.html

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