Neue Kirchen-Enteignungen im Erdogan-Staat

Die Vorsitzende der Christlich Demokratischen Union (CDU), Bundeskanzlerin Angela Merkel, hat für ihre Art der „europäischen Lösung der Flüchtlingskrise“ ihr politisches Schicksal an den türkischen Präsidenten Erdogan geknüpft. Der muss nun keinerlei ernsten Protest seiner Verbündeten mehr fürchten, egal welche unserer Werte er mit den Füßen tritt. Auch die aktuell verfügte Schließung und Enteignung aller christlichen und damit auch aller armenischen Kirchen in Diyarbakir, gut hundert Jahre nach dem Völkermord an den Armeniern, wird bei der in Deutschland regierenden Christdemokratin keine Regung des Protests hervorrufen. Ebensowenig wie es die Kirchenschließungen und –räumungen in den letzten Monaten taten. Auch wenn es sich manche Kommentatoren lange wünschen wollten, es ist wohl doch nicht die pfarrhäusliche Prägung, die die deutsche Kanzlerin zu ihrer Art der „Flüchtlingspolitik“ getrieben hat.

Doch zurück zu den verfolgten Christen in Erdogans Türkei. Die türkische Regierung hat verfügt, dass alle Kirchen in der historischen Altstadt von Diyarbakir in Südostanatolien ab sofort  Staatseigentum sind. Verstaatlicht ist damit auch die armenische St.-Giragos-Kathedrale, bei der es sich um eine der größten Kirchen im Nahen Osten handelt, sowie je eine protestantische, chaldäische, syrisch-orthodoxe und armenisch-katholische Kirche. Damit ist in der mesopotamischen Metropole, die auf eine lange christliche Tradition zurückblickt, nun keine einzige Kirche mehr zum Gottesdienst geöffnet.

Die St.-Giragos-Kathedrale wurde 1371 gebaut und wurde im Zuge des Völkermords an den Armeniern teilweise zerstört. Wie in der Sowjetunion wurde der Kirchenbau zum Ende des 20. Jahrhunderts als Lagerhalle genutzt. Erst im 21. Jahrhundert, im Zuge der Annäherung an Armenien durften armenische Christen die Kathedrale wieder aufbauen. 2011 war der Wiederaufbau abgeschlossen und das beeindruckende Gotteshaus wurde wieder zu einer Kirche geweiht. Bei den Kämpfen des türkischen Militärs gegen kurdische Gruppen ist die Kathedrale wieder teilweise zerstört worden.

Dem türkischen Staatsanzeiger zufolge sind von der Verstaatlichung im Eilverfahren außer den Kirchen auch 6.300 weitere Grundstücke in der Altstadt betroffen, die nach monatelangen Kämpfen zwischen kurdischen Rebellen und türkischen Sicherheitskräften schwer zerstört ist. Unter den eingezogenen Bauten sind demnach auch Hotels und Kulturdenkmäler. Der Direktor des staatlichen Stiftungsamtes, Adnan Ertem, sagte der armenischen Zeitschrift „Agos“, die Verstaatlichung diene dem Schutz und dem Erhalt der historischen Bauten. Der Schritt sei notwendig gewesen, um der planlosen Bebauung der Altstadt Einhalt zu gebieten und die Schwarzbauten abzureißen. „Seien Sie sicher, wir wollen die historischen Bauwerke nur schützen“, sagte Ertem der Zeitung. Interessant, dass sich der Staat in einer Stadt, die er durch das eigene Militär hat zerschießen lassen, nun zuvörderst um den Abriss vermeintlicher Schwarzbauten kümmern will. Dass

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu kündigte an, Diyarbakir werde nach der staatlichen Sanierung „so schön wie Toledo“. Noch ist das künftige Toledo aber zum Teil militärisches Operationsgebiet. Und auf einen christlichen Gottesdienst wird man wohl auch verzichten müssen. Der regierenden islamistischen AKP  kann das nur recht sein. Christliche Gemeinden und Kirchen haben in der Türkei trotz mancher früherer vollmundiger Ankündigung in Richtung Europa immer noch keinen geregelten Rechtsstatus. Deshalb sind die Kirchengebäude überwiegend im Besitz von zweckgebundenen Stiftungen. Die Leiterin des Kulturamtes der Stadt Diyarbakir, Nevin Solukaya, rief die Stiftungen auf, Rechtsmittel gegen die Verstaatlichung einzulegen.

Das wird allerdings ohne politischen Druck aus dem Westen vermutlich nichts bewirken, denn die Vertreibung von Christen aus ihren Kirchen geschieht nicht nur im kurdischen Bürgerkriegsgebiet.Die christlichen Gemeinden der westtürkischen Stadt Bursa sind beispielsweise im Februar von den türkischen Behörden der einzigen Kirche der Stadt verwiesen worden. Die rund 100 katholischen, protestantischen und orthodoxen Christen der Stadt, die die Kirche bislang gemeinsam nutzten, hatten fortan kein Gotteshaus mehr..

Immerhin gibt es für die bedrängten Christen in der Türkei ja bald einen Trost. Dank der Zugeständnisse, die sich Erdogan in Brüssel erzwungen hat, können sie bald visafrei ins restchristliche Europa reisen und dort Asyl beantragen. Und wenn sie vorsichtig genug sind, im deutschen Flüchtlingsheim nichts von ihrem christlichen Glauben zu verraten, können sie das Asylverfahren vielleicht auch ohne allzu schmerzhafte Übergriffe eifernder muslimischer Mitbewohner überstehen.

Siehe auch hier und hier

4 Kommentare

  1. Fred Schroers

    Was muß denn noch passieren damit unsere Politiker endlich AUFWACHEN und diesem Despoten vom BosperusEINHALT Gebieten.

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  2. Pingback: Schweigen im Abendland – sichtplatz.de

  3. MO

    obwohl ich nicht dem christliche Glauben angehöre, finde ich es unmöglich, dass aus der übrigen Welt kein Aufschrei zu hören ist. Kann dieser Herr Erdogan eigentlich alle machen was er will. Er erinnert mich an einen uns allen bekannten Menschen, der auch glaubte er sei der liebe Gott in seinem 3. Reich. „Wehrt den Anfängen“. Bei diesem Verhalten freue ich mich tatsächlich, dass unsere Politiker abwählbar sind, auch wenn sie Mist produzieren und ihnen noch eine gute Pension winkt, in diesem Fall bin ich gerne bereit mit meinen Steuern deren Ruhestand zu finanzieren. Wenn ich mir vorstelle, dass in der heutigen Zeit noch solche Tyrannen regieren dürfen, ohne aus der restlichen Welt behelligt zu werden, dann Gute Nacht Demokratie. Wo sind eigentlich unsere Parteien mit dem berühmtem „C“ im Namen? Es ist einfach zum Erbrechen!!

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    1. Brigitte Krämer- Leimbach

      Herr Erdogan fühlt sich eher von Frau Merkel unterstützt und wird dadurch immer dreister! Hoffentlich wird es dadurch früh genug bemerkt, dass wir alles Versprochene – wie keine Visapflicht – Aufnahme in die EU – nicht einhalten können! Wir werden uns wohl nicht ausliefern!!!

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