„Wir schaffen das“ in Linie 891

In der Buslinie 891 in Grevenbroich zeigt sich im Kleinen, was passiert wenn man ein System überfordert. Die Line passiert auf dem Weg in die Innenstadt Asylbewerberunterkünfte. Es ist selbstverständlich, dass die dort untergebrachten Migranten in die Innenstadt wollen bzw. zuweilen auch müssen und ihre einzige Möglichkeit ist die Buslinie 891. Das geht den benachbarten Einheimischen nicht anders. Die Zahl der potentiellen Fahrgäste hat sich – man kann es sich denken – durch die Einrichtung von Asylbewerberunterkünften dramatisch erhöht. Bei einer Buslinie, die auch schon vor dem Zuwandererzustrom gut ausgelastet war, ist die nun eintretende Überforderung somit relativ einfach voraussehbar. Man müsste deutlich mehr Busse einsetzen. Doch dazu muss man die auch haben und die nötigen Busfahrer dazu. Beides muss auch bezahlt werden. Wer kann hier plötzlich, auf Zuruf, Verantwortung für solche ungeplanten Mehrausgaben übernehmen? Wie die meisten Kommunen ächzt sicher auch Grevenbroich schon unter den Mehraufwendungen für die Asylbewerberunterbringung und sieht weitere Folgekosten auf sich zukommen. Die Buslinie 891 ist da nicht das drängendste Problem.

Hier aber wird das „Wir schaffen das“, werden „Solidarität“ und „Zusammenrücken“ ganz alltäglich konkret. Und was passiert, wenn die Kapazitäten nicht reichen? Die Schwächsten haben das Nachsehen. Und wer sind die Schwächsten in diesem Falle? Mütter mit kleinen Kindern im Kinderwagen, Senioren, die auf einen Rollator angewiesen sind oder Menschen im Rollstuhl. Die finden nun im überfüllten Bus keinen Platz mehr und werden seit Wochen reihenweise an den Haltestellen zurückgelassen, ohne eine Chance, von einem der nächsten Busse mitgenommen zu werden. Die Lokalpresse verzeichnet entsprechende Beschwerden schon geraume Zeit. Empört berichtet sie nun darüber, dass mittlerweile auch schon eine Mutter mit Kinderwagen und gültigem Fahrschein auf halber Strecke einfach aus dem Bus geworfen wurde, um Platz für andere Fahrgäste zu schaffen.

Wem so etwas passiert, der ist verständlicherweise wütend. Aber wütend auf wen? Auf den Busfahrer, der einen rüde rauswirft bzw. stehen lässt? Aber der verwaltet nur den Mangel und das schon monatelang. Das zehrt an den Nerven. Dann das Verkehrsunternehmen, weil nicht genügend Busse fahren? Aber die muss jemand bestellen und bezahlen? Ist man wütend auf die Stadt, weil sie nicht mehr Busse bestellt? Oder auf die Zuwanderer, die jetzt den knappen Platz im Bus besetzen? Oder auf die, die das alles noch anheizen, ohne die praktischen Folgen wie in Buslinie 891 zu bedenken?

Sicherlich ist das eigentlich nur eine Provinzposse. Aber es ist auch ein kleines beispielhaftes Schlaglicht auf die vielen kleinen Dinge im Alltag vieler Menschen, die sich verändern und die Stimmung beeinflussen, ohne dass es die Verantwortungsträger im Rausch der Hochmoral wahrnehmen und sich erst später über die vielen Uneinsichtigen wundern. Es sind nicht nur die Berichte von sexuellen Übergriffen, gestiegene Einbruchszahlen oder die Terrorangst – auch solche ganz kleinen Dinge sind ausschlaggebend.

 

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