„Atmoshärisch hackendicht“

BÜCHER: „Goethe will von keinem Verbrechen gehört haben, zu dem er selbst nicht auch in der Lage gewesen wäre. Heinz Strunk zeigt mit seinem Serienmörder-Roman, wie weit Einfühlung gehen kann.“, leitet Jürgen Kaube seine Rezension ein. (siehe hier: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/heinz-strunks-serienmoerder-roman-der-goldene-handschuh-14073900.html) Und Knud Cordsen schreibt: „Ein Lokal mit dem Charme der Vorhölle, in dem sich in den 1970er-Jahren allerlei gescheiterte Existenzen versammeln und – man kann es leider nicht anders sagen – langsam aber sicher am Tresen im „Sturz-“ bzw. „Schmiersuff“ vergammeln. Ein Laden, in dem „Fako“ die Abkürzung für „Fanta-Korn“ und „Klötenköhm“ das Synonym für Eierlikör ist. Und Huren, das sind im Kiez-Jargon schlicht „Wegsteckhühner“.

Ein hartes Soziotop mit „lauter durchgeorgelten Gestalten“. Strunk führt es uns vor Augen: Da ist „Soldaten-Norbert“, der nicht darüber hinwegkommt, dass er vom SS-Mann zum Müllmann abgestiegen ist. Dem Alkohol verfallen genauso wie die „Säberalmas“, die „nachkriegsknochigen“ Frauengerippe, denen der Speichel aus den Mundwinkeln trieft und die ebenso zum Bodensatz der Gesellschaft zählen wie „die Schimmligen“ und der schiefgesichtige Nachtwächter, den sie hier alle nur „Fiete“ nennen. Diesen unansehnlichen Kerl gab es wirklich. Er hieß Fritz Honka und suchte sich in dieser Spelunke, dem „Goldenen Handschuh“, seine weiblichen Opfer.

[…] Aber um die Verbrechen des vor 40 Jahren eher zufällig seiner grausamen Taten überführten Honka geht es nur am Rande. Vielmehr porträtiert ihn Strunk als lebenslang vom Pech verfolgte Gestalt, nicht als Monster oder Bestie, sondern als Mensch, dem ein psychiatrisches Gutachten „schwere seelische Abartigkeit“ attestierte.

[…] Mit einem absoluten Gehör für delirante Dialoge hat Heinz Strunk einen brillanten, atmosphärisch hackendichten Roman geschrieben und das Meisterstück vollbracht, eine todtraurige Geschichte urkomisch zu erzählen.“ Weiter hier: http://www.deutschlandradiokultur.de/heinzstrunkdergoldenehandschuhempathischesportraet.950.de.html

Heinz Strunk: Der goldene Handschuh

Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2016, 256 Seiten. 19,95 Euro, LESEPROBE

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