Marken-Schleier aus dem Westen?

Gibt es eine Islamisierung? Gibt man auf diese Frage eine eindeutige Antwort, so gilt das hierzulande gleich als politische Positionsbestimmung. Also blicken wir doch lieber einfach mal in die Wirklichkeit. Nein, nicht in die Parallelgesellschaften in den Problemvierteln deutscher Ballungsräume. In der FAZ findet sich ein interessanter Hinweis darauf, dass sich große westliche Modehäuser immer stärker mit islamischen Kleidungsvorschriften beschäftigen: Das Phänomen, genannt „Islamic Fashion“, vereint plötzlich Marken, die sonst kaum auf einen Nenner zu bringen wären. Das italienische Haus Dolce & Gabbana zum Beispiel bietet seit Anfang des Jahres seine Interpretation von Stücken an, die der islamischen Kleidervorschrift entsprechen: Abayas und Hidschabs in Schwarz und Creme, versehen mit jener Spitzen-Stickerei, die sonst großzügig für Spaghettiträger-Kleider verwendet wird.

Am anderen Ende des Spektrums verkaufen Ketten wie Marks & Spencer aus Großbritannien Burkinis, Ganzkörper-Badeanzüge, und Uniqlo kooperiert zum zweiten Mal mit einer muslimischen Designerin. „Die erste Kollektion war nur in den entsprechenden Märkten erhältlich“, erzählt Reina Lewis, Professorin für Cultural Studies am London College of Fashion (UAL) und Autorin des Buches „Muslim Fashion: Contemporary Style Cultures“. „Jetzt müsste ich von meinem Büro aus lediglich über die Straße gehen und könnte diese Kollektion in der nächstgelegenen Filiale an der Oxford Street kaufen.“

Doch nicht alle begrüßen das so sehr wie Lewis, ganz im Gegenteil. Über die Frage, ob westlich geprägte Modehäuser auf die traditionell islamische Kleiderordnung eingehen sollten, ist eine hitzige Debatte entbrannt.

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 Es passt kaum zusammen, wenn jene Mode-Lieferanten, deren Daseinsberechtigung auch auf der ständigen Veränderung einer Gesellschaft beruht, zugleich den Islam unterstützen, der sich als System so reaktionär auslegen lässt.

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Die französische Familienministerin Laurence Rossignol empörte sich in einem Interview. „Unverantwortlich“ seien Hersteller von Islamic-Fashion-Kollektionen. „Sie entziehen sich ihrer sozialen Verantwortung und werben in gewisser Weise für ein Einsperren des weiblichen Körpers.“

Mehr hier: http://www.faz.net/aktuell/stil/modelabels-orientieren-sich-an-muslimischen-kleidervorschriften-14169962-p2.html

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