Neue Opfer der Schleuser-Subvention

Von ungefähr 400 Toten wird berichtet, die bei dem Versuch, auf überladenen Schlepperbooten nach Europa zu kommen, ertrunken sein sollen, so wie viele vor ihnen und viele nach ihnen. Ist die Zahl etwas größer, löst sie auch großes Bedauern aus. „Es ist sicher, dass wir es genau ein Jahr nach der Tragödie in libyschen Gewässern wieder mit einer Tragödie zu tun haben“, erklärte der italienische Außenminister Paolo Gentiloni. Eine Tragödie, die alle bedauern, bemerkenswerterweise auch die Herrscher der Landstriche aus denen die Menschen doch als Flüchtlinge gekommen sind. „Dieser Unfall, bei dem viele unserer jungen Männer Berichten zufolge ums Leben kamen, hat uns sehr schockiert“, betonte der Präsident Somalilands, Ahmed Mohamed Mohamud Silanyo, in einer Mitteilung.

Nun ist der Tod all dieser Menschen selbstverständlich tragisch und natürlich möchte man etwas tun, um solches Elend künftig zu verhindern. In vielen Medien paart sich das mit dem Bedauern für die „Flüchtlinge“, die sich in ihrer Not in Lebensgefahr begaben.

Der Ton suggeriert, wir aus den Zielländern der ertrunkenen Migranten seien eigentlich Schuld, weil wir ihnen keinen legalen Weg geöffnet hätten. In gewisser Weise ist das auch nicht falsch, doch niemand redet davon, dass wir vor allem schuldig sind, weil wir die Schleuser subventionieren. Die meisten der Flüchtlinge fliehen ja nicht nur in einen sicheren Hafen, sondern sie wollen verständlicherweise konkret in die Länder, die jedem Asylantragsteller sofort Sozialleistungen garantieren und damit auch dafür bürgen, dass die Asylbewerber ihre Schulden für die Schleusung bezahlen. Es wäre viel gewonnen, wenn man hier etwas täte, nämlich dass staatliche Sozialfürsorge erst greift, wenn der Asylantrag genehmigt ist. Bis dahin muss jeder auf eigene Kosten leben. Gäbe es legale Wege, wäre das auch für eine gewisse Zeit kein Problem, denn wirkliche Flüchtlinge hätten viel Geld für die Schleusung gespart. Und die anderen Zuwanderer würden wegen des finanziellen Risikos vielleicht noch einmal über die Schleusungs-Investition nachdenken.

Wenn schon kaum jemand mehr darüber redet, wie sehr die falschen Anreize die Migrationswelle befördern, so ist es völlig verpönt, daran zu erinnern, dass auch die Migranten für sich selbst verantwortlich sind. Die jetzt bei ihrem Schiffsunglück Ertrunkenen sind dem Vernehmen nach in Ägypten gestartet. Bei aller Unsicherheit in diesem Lande, so werden ihnen keine Verfolger auf den Fersen gewesen sein. Sie müssen am Ufer gesehen haben, dass das Boot vor ihnen, zu klein und unsicher ist. Sie haben es dennoch bestiegen und sich für das Risiko entschieden.

Aber vor allem müssen wir der Schleusermafia die Geschäftsgrundlage entziehen. Wenn Kost, Logis, Kleidung, etwas Geld und kostenfreie Gesundheitsversorgung in Zielland nicht mehr garantiert sind, dann geht einem großen Teil der Schleuserkundschaft die Zahlung einiger tausend Dollar nicht mehr so leicht von der Hand. Manch einer überlegt dann vielleicht, ob er dort wo er jetzt ist, nahe dem eigenen Kulturkreis, wo die Menschen weitgehend nach vertrauten Regeln leben, mit dem Geld eine eigene Existenz aufbauen kann, statt es für eine riskante Überfahrt nach Europa auszugeben.

Momentan verspricht Deutschland eine risikolose Rendite für das Schleusergeld, wenn man es schafft, hierzulande anzukommen. Wenn das aufhört und Flüchtlinge sich auf legalem Weg schnell in Sicherheit bringen können, wäre viel gewonnen. Denn wer vor Verfolgung fliehen muss, den interessiert vor allem, wie er so schnell wie möglich ein sicheres Aufnahmeland erreichen kann und nicht so sehr das Asylbewerberleistungsgesetz. Vielleicht sollte dieser Gedanke Eingang in die Diskussion um die „Flüchtlingskrise“ finden, wenn wir angesichts einer größeren Zahl von Ertrunkenen gerade mal kurz innehalten.

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