Männer sind keine Opfer

Häusliche Gewalt ist hierzulande nur gelegentlich ein Thema. Aber wenn das Problem einmal ein öffentliches Thema ist, dann ist die Rollenverteilung vollkommen klar. Frauen sind die Opfer, Männer sind die Täter. Da können Frauen in allen Bereichen gleichberechtigt sein, in der Bundeswehr zur kämpfenden Truppe an vorderster Front gehören, Gewalttäterinnen im trauten Heim aber kommen in der öffentlichen Wahrnehmung so gut wie nicht vor. Frauen als Täterinnen und Männer als Opfer passen weder in das Weltbild der Vertreter neuer Geschlechterrollen, die in Frauen nicht so viel Böses entdecken mögen, noch finden sie im Herzen der Liebhaber eines patriarchalischen Zusammenlebens zwischen Mann und Frau einen Platz. Deshalb haben die männlichen Opfer häuslicher Gewalt so gut wie keine Unterstützung und treffen selten auf offene Ohren. Hilfsangebote oder gar Unterkünfte nach der Art der Frauenhäuser gibt es für sie so gut wie nicht. Und aus Angst und Scham meldet sich sehr selten ein Betroffener zu Wort. Deshalb verdienen diese Zeilen eines Betroffenen auf diekolumnisten.de ihre Aufmerksamkeit: Ich habe am eigenen Leib erfahren, welche massiven Probleme unsere Gesellschaft hat mit männlichen Opfern umzugehen. Oft habe ich mich in diesem Kontext aufgrund meiner Männlichkeit diskriminiert gefühlt. Wegen dieser starken Diskriminierung, die auch meine engsten Freunde in Teilen miterlebt haben, halte ich es für nötig im Speziellen auf die Dynamik bei Gewalt gegen erwachsene Männer einzugehen. Das Ziel meiner Ausführungen ist nicht, Gewalt gegen andere Gruppen damit zu bagatellisieren. Vielmehr geht es mir darum anderen männlichen Opfern ein Forum und Sprachrohr zu bieten. Ich möchte hiermit nicht sagen, dass Männer stärkere Gewalt oder häufiger Gewalt erleben als Frauen oder Kinder. Was ich aber ganz deutlich sagen möchte, ist, dass es für männliche Opfer sicherlich hilfreich wäre, wenn die Türen der meisten Hilfsangebote nicht ausschliesslich für Frauen und Kinder geöffnet wären. Die Tatsache, dass Männer von vielen Hilfsangeboten ausgeschlossen werden, habe ich als eine zusätzliche starke Belastung empfunden. Ich denke, diese Form von struktureller Gewalt könnte männlichen Gewaltopfern recht einfach genommen werden.

[…] Am krassesten ist mir der Verein Contra häusliche Gewalt in Erinnerung geblieben. Dieser Verein bot damals eine Gruppe an, in der Opfer häuslicher Gewalt Unterstützung finden können, um besser mit ihren Erfahrungen umzugehen. Auf meine Anfrage, ob ich an diesem Angebot teilnehmen könnte (Schließlich sei meine Täterin ja in selbigem Verein in der Täter-Arbeitseinrichtung), wurde ich vertröstet, dass dieses Angebot sich ausschließlich auf weibliche Opfer beschränke, da nur hierfür die finanziellen Mittel bereit gestellt seien. Zwar wurde mir noch eine Adresse von der Lebenshilfe der Caritas vermittelt, aber auch dort stieß ich auf eine ähnliche Argumentation. Unabhängig davon, dass ich es sehr begrüßte, dass meine Täterin an einem präventiven Angebot für Täter teilnahm fand ich besonders absurd, dass sie als Frau bei der Täter-Arbeitseinrichtung teilnehmen durfte, ich als Mann nicht bei den Opfern. Somit wurde sowohl weiblichen Opfern als auch Tätern geholfen, während männliche Opfer erst mal auf der Strecke blieben.

[…] Bei meinen Überlegungen, meine Täterin anzuzeigen, war ich mehrfach auf der Website der Polizei, die gerade für Opfer häuslicher Gewalt zu vielen Hilfsangeboten verlinkt. Auch in diesem Fall wurde stets von weiblichen Opfern gesprochen. Zum Teil führten die Links auf den mir schon bekannten Verein Contra häusliche Gewalt. Ich fühlte mich im wahrsten Sinne des Wortes hilflos und alleine gelassen. Mehr hier: http://diekolumnisten.de/2016/04/27/maenner-als-opfer-haeuslicher-gewalt-ein-erfahrungsbericht/

1 Kommentar

  1. Peter

    Sogar in der Türkei gibts es schon Häuser für Männer die vor Frauen flüchten!Gab mal nen Bericht vor einigen Jahren…

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