„Zone des Bösen“

GELESEN: «Hetzer», «Mob», «Pack», aber auch «Idioten» und «Dumpfbacken» sind Begriffe, die nicht mehr nur polternden Politikern vorbehalten sind, sondern wieder und wieder in Medientexten bemüht werden. In der Redaktion des von Jakob Augstein herausgegebenen linken Wochenblatts «Freitag» begnügt man sich nach eigener Angabe mit dem Schimpf «dieses Drecksblatt», um das liberalkonservative Monatsmagazin «Cicero» zu kennzeichnen.

Einen lesenswerten Blick auf die deutsche Journalismus–Kultur der Verbreitung richtiger Gesinnung bietet uns Heribert Seifert in der NZZ. Hier noch eine weitere Kostprobe:

Der «Kölner Stadt-Anzeiger» gibt ohne Widerrede Raum für einen Rundumschlag, der gleich drei renommierten deutschen Autoren die Verbreitung von Islamophobie unterstellt, was nichts anderes als «der salonfähige Antisemitismus» von heute sei. Womit wieder einmal der irgendwann immer fällige Nazi-Vorwurf in Stellung gebracht ist. Der «Spiegel» macht Ähnliches bei der Gestaltung seiner Titelbilder und rückt die AfD-Vorsitzende Frauke Petry in die Pose, in der er sonst Hitler anbietet.

Was an diesen Beispielen auffällt, ist der Verzicht auf recherchegestützte Information und ruhige Argumentation. Differenzierungen gelten schon als Appeasement. «Haltung» ist gefordert, nicht kritische Selbstkontrolle eigener Wahrnehmungen und Urteile. Anstatt zwischen konservativ, rechts, rechtspopulistisch und rechtsextrem zu unterscheiden, wird der gesamte Kommunikationsraum, der sich in Opposition zum linksliberal-grünen Justemilieu zu etablieren beginnt, zu einer Zone des Bösen erklärt, die unter Quarantäne zu stellen ist. Offenbar gibt es Ansteckungsgefahren: Wer sich als rechts und konservativ positioniert, gerät in dieser Sichtweise in Verdacht, bald Schlimmeres aufzunehmen und zu verbreiten. Die jahrelang beliebte Phrase vom «(Rechts-)Extremismus, der aus der Mitte Surrealismus wider der Gesellschaft» komme, hat solchen Kurzschlüssen Vorschub geleistet.

Mehr hier: http://www.nzz.ch/feuilleton/medien/journalismus-im-kampfmodus-hetzer-idioten-und-dumpfbacken-ld.82631

 

1 Kommentar

  1. Ulrich Bohl

    Der Spiegel den der Autor in der NZZ den deutschen Journalisten
    vorhält ist offensichtlich das Spieglein aus Schneewittchen.
    Jakob Augstein und Co.sehen in ihn hinein und fragen „Wer ist
    der beste Journalist im ganzen Land?“ Ihr Herr Augstein.
    Mit dieser so gestärkten Eitelkeit schreibt man dann weiter,
    denn man macht ja alles richtig. Wie sagte schon Seneca:
    „Fremde Fehler sehen wir, die unsrigen aber nicht“.

    Lucius Annaeus Seneca

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