Die Abstimmung mit den Füßen

von Benn Roolf         Es ist doch wirklich passiert: Die Briten haben Europa die rote Karte gezeigt. Und es könnte ein guter Tag für Europa sein – wenn, ja wenn die sogenannten „Eliten“ in der Eurobürokratie und in den Ländern irgendetwas daraus lernen würden. Die Zeichen scheinen aber nicht so günstig zu sein. So wie weiland die kommunistischen Dumpfbacken uneinsichtig bis zum Schluss von ihrem Weltbild nicht abließen, so werden auch die naiv-bürgerlichen Gesinnungspolitiker den Kelch wahrscheinlich bis zum Ende austrinken. Der unselige Ralf Stegner twittert „Allways Look On The Brighte Side Of Life …“ zum Brexit und mit ihm freuen sich all seine Gesinnungsfreunde nun darauf, ohne die schwierigen Briten die EU noch weiter in eine wirklich gerechte Welt zu verwandeln: diskriminierungsfrei, durchgegendert, umverteilungsfreudig. Und nicht zuletzt möglichst straff geführt – ohne allzuviel demokratisches Tamtam. Denn es gibt doch viel zu viele dieser Unvernünftigen, Nationalisten, Populisten – kurz Ewiggestrige -, die all das Gute der neuen Welt nicht sehen/bezahlen wollen. Oder es schlicht aus mangelnder Bildung nicht sehen können. Oder einfach nur spießig, vorurteilsbeladen, ängstlich sind – eine willkommene Beute für rechte Rattenfänger und Nazis. Die Sprache hat sich gewandelt in den letzten 25 Jahren – der Geist ist längst wieder da.

Es ist eine traurige Geschichte: Natürlich ist die europäische Integration eine wunderbare Sache und natürlich ist die EU – das wird bei all den politischen Leichtmatrosen, die unbekümmert  die Idee vom Ende der EU, dem Scheitern Europas kolportieren, immer vergessen – ein historisch einmaliges Friedensprojekt. Das ist und bleibt die wichtigste Funktion dieser Integration und natürlich ist auch die jetzt geschwächt. Andererseits wäre ein Remain der Briten in der EU und bei den „Eliten“ letztlich als Bestätigung ihrer Politik gesehen worden. Unter der Hand hätte man die Briten verhöhnt und sich selbst erhöht – letztlich wären die Probleme weiter angewachsen mit einem beständigen „Weiter So“. Ein Remain hätte die Konfliktlinien, die sich ähnlich in ganz Westeuropa auftun, nur weiter verdeckt und den wirklichen Nationalisten in die Hände gespielt. Also darf man sich über die Entscheidung der Briten auch freuen. Vor einiger Zeit nannte man das, was die Briten heute getan haben noch eine „Abstimmung mit den Füßen“. Der Blick in die Geschichte zeigt, dass so etwas wirkt … friedlich … und dazu braucht es nicht einmal die Lerneffekte der „Eliten“.

Freut Euch, Europäer !

1 Kommentar

  1. Gudrun Eussner

    Schon der erste Schritt zeigt, daß unsere „Eliten“ nichts lernen: Außenminister Frank-Walter Steinmeier lädt nur die Kollegen der Gründungsstaaten nach Berlin ein. Und warum ist die erste Krisensitzung Berlin? Um den anderen EU-Mitgliedern zu zeigen, wer in der EU das Sagen hat.

    Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.