Die Ramadan-Bilanz des Abgeordneten Khan

Im nächsten Jahr muss alles besser werden, denn der diesjährige Ramadan ist in Europa nicht angemessen gewürdigt worden. Deshalb müssen die EU-Institutionen handeln, damit künftige Fastenmonate und vor allem das Fastenbrechen endlich mehr Unterstützung erfahren. Wahrscheinlich ist man schon islamophob, wenn man einwendet, dass die Förderung des muslimischen Glaubenslebens keine staatliche Aufgabe ist, auch nicht über den Umweg der EU.

In Brüssel sieht man das anders. Die sozialdemokratische Fraktion im Europaparlament hat einen eigenen Beauftragten für muslimische Gemeinschaften. Afzal Khan hat dieses Amt inne und er fordert künftig eine zentrale Veranstaltung während des Fastenmonats für Muslime. Um Vielfalt zu fördern und Vorurteile abzubauen, gebe es keine bessere Möglichkeit als das gemeinsame Fastenbrechen, Iftar, während des Ramadans, sagt Khan.

Eigentlich könnten den Abgeordneten derzeit ganz andere Probleme beschäftigen, denn Khan ist Brite und nach dem Brexit-Referendum weiß er ja gar nicht, was aus seinem Brüsseler Mandat bis zum nächsten Fastenbrechen geworden ist. Doch solange er in Brüssel wirkt, kümmert er sich um die Anliegen derer, die in der EU Allah und seinem Propheten folgen.

In Europa leben Khan zufolge derzeit 25 Millionen Muslime, Tendenz dank steigender Zuwanderung und höherer Geburtenrate steigend. Trotzdem hat es nach Khans Ramadan-Bilanz von den höherrangigen EU-Politikern allein die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini für nötig befunden, sich mit einer Glückwunsch-Botschaft an die Muslime zu wenden: «Das ist bedauerlich und muss sich ändern», sagte der Labour-Abgeordnete.

Ausgerechnet im abtrünnigen Großbritannien sei dies deutlich besser. Dort richte der Premierminister inzwischen jedes Jahr einen Empfang zum islamischen Opferfest aus. Zudem fördere die britische Regierung interreligiöse Veranstaltungen zum Fastenbrechen. „Verglichen damit hinkt die EU hinterher“, so Khan. Und wem soll die EU denn nun hinterherhinken, wenn sich das vorbildlich muslimfreundliche Königreich aus der Union verabschiedet?

Nicht einmal die muslimischen EU-Mitarbeiter in Brüssel erfuhren im Ramadan eine besondere Würdigung. Da ja normalerweise die Religionszugehörigkeit im Arbeitsverhältnis keine Rolle spielen sollte, weiß die EU-Kommission auch gar nicht, wie viele Muslime überhaupt bei den EU-Institutionen arbeiten.

Da gibt es noch viel Arbeit für Herrn Khan. Wie gemein wäre es, wenn er durch die Brexit-Entscheidung schon nach wenigen Monaten wieder aus seinem wichtigen Amt gerissen würde. In Brüssel ist er nämlich ein Vorreiter. Erst im Januar wurde er zum Persönlichen Beauftragten für muslimische Gemeinschaften der sozialdemokratischen Fraktion im Europaparlament ernannt. Die Sozialdemokraten sind die einzige der acht Fraktionen im EU-Parlament, die eine solche Position überhaupt geschaffen haben. Aber auch das ist im nächsten Ramadan vielleicht schon anders, ob mit oder ohne Herrn Khan.

Alle Zitate aus: http://islam.de/27710

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