Wieder so ein Morgen danach

Da sitzt man nun wieder am Morgen nach einem mutmaßlich islamistischen Anschlag – oder sollten wir es besser Massenmord nennen?  – am Schreibtisch, will sich eigentlich dazu äußern und ist doch wie gelähmt. Nicht so sehr wegen des Schreckens, sondern weil doch alles, was man sagen möchte, schon so oft in den letzten eineinhalb Jahren an einem Morgen nach dem Anschlag geschrieben wurde. Wieder ist alles so vorhersehbar. Irgendwann wird der Satz kommen, dass das alles nichts mit dem Islam zu tun habe. Dass das alles nichts mit „Flüchtlingen“ zu tun hat, haben wir schon gehört.  In den Morgenstunden des Freitags danach mühten sich die Berichterstatter lange, darauf hinzuweisen, dass man noch nicht wisse, ob der französisch-tunesische Doppelstaatsbürger, der mit seinem Lkw in Nizza gezielt mindestens 84 Menschen totfuhr, in Beziehung zum „Islamischen Staat“ stand. Der Polizei sei er nur als Kleinkrimineller bekannt, nicht als Extremist. Das klingt ganz so, als wäre der Massenmord nur dann ein islamistisch zu nennen, wenn dieser Anschlag  ein IS-Prüfsiegel trägt. Und wenn man tatsächlich nicht mehr umhin kommt, einen islamistischen Hintergrund anzunehmen, dann hören wir die üblichen Sprechblasen: Wir sollten uns nicht von „Terroristen“ in unserer Freiheit einschränken lassen, man werde dem Terror entschlossen entgegentreten und im Übrigen dürfe man ein solches Attentat keineswegs zum Anlass nehmen, kritischer auf Moscheegemeinden und Muslimverbände zu blicken. Schnell werden wir dann gewarnt, dass die größte Gefahr nun sei, dass Rechtspopulisten und Islamfeinde von der Stimmungslage profitieren und Hass säen. Vielleicht besucht Bundesjustizminister Heiko Maas wieder ganz solidarisch die Berliner Moschee, die den Bundestagspräsidenten jüngst vom Fastenbrechen ausgeladen hatte, weil der Bundestag den Völkermord des Osmanischen Reiches an den Armeniern als solchen anerkannt hatte.

Das alles ist so voraussehbar, deshalb schwindet von Mal zu Mal die Hoffnung , dass die grausame Tat wenigstens auch ein Weckruf sein könnte, auf dass die mörderische islamistische Ideologie und ihr weltanschauliches Vorfeld endlich in ihrer ganzen Gefährlichkeit ernst genommen wird und dass all jene Politiker, die Freiheit und Demokratie ausschließlich vom Rechtsextremismus bedroht sehen, ihren Irrtum erkennen. Das wird aber leider auch dieses Mal nicht geschehen. Es ist zu eingeübt, die Demokratie nur gegen rechts verteidigen zu wollen. Gleichzeitig werden fragwürdige Islamverbände und Moscheegemeinden als Gesprächspartner aufgewertet, liberale Muslime aus der Deutschen Islamkonferenz ausgeschlossen und das Ganze auch noch mit den Etiketten „Toleranz“ und „Integration“  versehen. Wahrscheinlich wäre es erhellender, man könnte verstehen,  was die Imame deutscher Moscheen am Tag nach dem Anschlag von Nizza zum Freitagsgebet predigen

Was bleibt also, als nur das Ewiggleiche zu beklagen? Sollte man sich freuen, dass es ja Deutschland noch nicht getroffen hat? Sollten wir insgeheim für den Appeasement-Kurs vieler deutscher Politiker gegenüber Islamideologen sogar dankbar sein, weil es ja womöglich diese Nachgiebigkeit ist, die Deutschland bislang vor solchen Anschlägen bewahrt hat? Wenn man dieser Logik folgen wollte, dürfte man mit dem Nachgeben allerdings nicht aufhören. Und in der Welt, in der die Gesellschaft dann ankäme, wollen wahrscheinlich nicht einmal die leben, die sich heute noch als Islamismus-Versteher gefallen, die beispielsweise als Bürgermeisterin salafistische Moscheen mit ihrem Besuch beehren, weil man doch dort so schön die Demokratie erklären kann[1] oder die als Familienministerin islamistischen Vereinen Fördermittel geben, damit sie Islamisten vom Terror fernhalten.[2]

Wenn man diesem Irrsinn nicht nur stumm zusehen will, dann muss man eben doch wiederholt das Ewiggleiche beklagen. Sollte es dann irgendwann ein Umsteuern geben, dann hoffentlich so, dass  man sich nicht auch davor fürchten muss.  Das ist wenig hoffnungsfroh formuliert, aber das kann man vielleicht angesichts der mehr als 84 Toten auch nicht erwarten. Also nun maximal positiv: Wir sollten einfach nicht aus Angst still bleiben oder werden, außer beim Gedenken an die Opfer.

[1] http://www.bz-berlin.de/berlin/neukoelln/warum-besuchte-franziska-giffey-eine-radikalen-moschee

[2] http://www.achgut.com/artikel/staatsknete_fuer_islamisten_im_kampf_gegen_den_islamismus

1 Kommentar

  1. Christian

    Was mir nicht in den Kopf geht: Nach jeder sinnhaften Definition SIND Islamisten doch Rechtsradikale im schlimmsten Wortsinn. Sie haben ein Rassistisches, rückwärtsgewandtes Weltbild, sie sind antisemitisch folgen den Lehren eines Wahnsinnigen. Warum schließt der „Kampf gegen Rechts“ sie dann nicht ein? Und warum wird stattdessen jeder Stammtisch in Ostdeutschland als piefig und gefährlich wahrgenommen, während gleichzeitig die völlig identische Geisteshaltung in Moscheegemeinden als Bereicherung durchgeht?

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