Würdelos im Obdachlosenheim?

Verletzt die Stadt Friedrichshafen die Menschenwürde von Obdachlosen? Folgt man dem, was Sabine Wuermeling in einem Brief an den dortigen Oberbürgermeister über das städtische Obdachlosenheim im Wachirweg schreibt, muss das so sein. Diese Schlussfolgerung stammt allerdings nicht von Frau Wuermeling, denn sie hat das Heim nicht voller Schrecken inspiziert, weil sie das Schicksal der heimischen Obdachlosen angerührt hätte. Sie war dort in ihrer Funktion als „Flüchtlingshelferin“. Sie kümmert sich derzeit u.a. um einen 18-jährigen Gambier. Der junge Mann kam als „unbegleiteter minderjähriger Flüchtling“, fand Aufnahme bei einer deutschen Pflegefamilie, doch da schien er sich nicht wohl zu fühlen, denn er verlangte beim Amt nach einer anderen Unterbringung. Mittlerweile war er volljährig und da er sich den Mitarbeitern des Jugendamts gegenüber offenbar nicht besonders kooperativ zeigte, kam er in keines der auch für volljährige Zuwanderer möglichen Förderungs- und Betreuungsprogramme. Somit war die Stadtverwaltung für ihn zuständig. Und für sie war der junge Mann zunächst das, was ein wohnsitzloser junger Einheimischer in vergleichbarer Situation auch ist: Ein Obdachloser, der eine Unterkunft benötigt. Und da ist die erste Adresse eine Obdachlosenunterkunft. Zwischen Einheimischen und Zuwanderern machten die Veraltungsmitarbeiter keinen Unterschied. Wie ein Deutscher ohne Wohnsitz sollte auch der junge Gambier in das Heim im Wachirweg einziehen.

Sabine Wuermeling begleitete ihn und war dort über die Zustände so entsetzt, dass sie den jungen Mann nicht dort einziehen lassen konnte, sondern ihn stattdessen zu sich nach Hause nahm. Zum Obdachlosenheim schrieb sie in ihrem Brief: Der Allgemeinzustand des Hauses sei „ein Armutszeugnis“, „eine Situation, die für einen 18 Jahre alten Gambier, der durch die Flucht und die damit verbundenen Gräuel zutiefst traumatisiert wurde, nicht tragbar ist.“ Deshalb fordert die „Flüchtlingshelferin“ eine andere Lösung für ihren Schützling.

Ihren Brief an den Bürgermeister leitete Frau Wuermeling mit nichts geringerem ein, als dem Grundgesetzzitat „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Wenn das Obdachlosenheim als Quartier aber die Würde des jungen Gambiers verletzt, ist es dann nicht auch für deutsche Obdachlose menschenunwürdig? Es gibt doch keine unterschiedliche Menschenwürde für Deutsche und Zuwanderer, oder?

Nun ist Frau Wuermeling aber „Flüchtlingshelferin“ und keine Odachlosenhelferin, weshalb sie die Menschenwürde einheimischer Wohnsitzloser nicht zu ihren Kernaufgaben zählen muss. Und wenn das Haus in einem beklagenswerten Zustand ist, dann tut es auch Not, Alarm zu schlagen. Dass sich die Helferin des jungen Gambiers vor allem um ihren Schützling kümmert, ist ihr nicht vorzuwerfen. Doch man fragt sich unwillkürlich, ob ein Zuwanderer Anspruch auf bessere Hilfe hat als heimische Gestrauchelte oder ob sich nun jemand finden muss, der auch die anderen Obdachlosen aus ihrer unwürdigen Lage befreit.

Die Sprecherin der Stadt Friedrichshafen antwortete auf die Frage einer Lokalzeitung, ob die Unterbringung von jugendlichen Asylbewerbern in einer Obdachlosenunterkunft richtig sei: „Wir sind uns der Problematik durchaus bewusst. Allerdings stehen uns für die Unterbringung obdachloser Personen, als die wir diesen Personenkreis betrachten müssen, nur begrenzte räumliche Kapazitäten zur Verfügung“.

Doch nun kümmert sich aufgrund der Aktivitäten von Sabine Wuermeling wahrscheinlich doch wieder das Jugendamt um den Gambier und ein besseres Quartier für ihn. Einheimische Obdachlose haben dieses Glück nicht. Um sie möchten sich einfach nicht so viele Helfer kümmern und auch politische Zuwendung erfahren sie nicht annähernd in gleichem Maße.

Alle Zitate aus: http://m.suedkurier.de/region/bodenseekreis-oberschwaben/friedrichshafen/18-jaehriger-Fluechtling-soll-ins-Obdachlosenheim;art372474,8863112

 

3 Kommentare

  1. Andreas Pfeffer

    Es ist doch immer das gleiche. Ich bin mit meiner verlobt auf der Straße gelandet und die Stadt friedrichdshafen möchte uns kein Wohnraum zusammen heben weil wir nur verlobt sind. Lächerlich!! Die Rosen picken sie sich raus!
    Sie behandeln uns wie Dreck vor allem meine verlobte von den „STADTMITARBEITERINNEN“
    Sie machen sich lustig wie zb. Wir können ja heute Abend in unser eigenes Zuhause eigene Küche… Das geht gar ich. Aber was soll man machen Krähen hacken sich nicht gegenseitig die Augen aus.
    Wir werden nun anwaltliche gegen die Stadt vorgehen. Allein der psychische Schaden wo wir aufgrund dem ganzen Stress nun haben….
    Danke

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  2. Revilo Bleesach

    @Claudia: Ob der Link von Ihnen staisfaktionsfähig ist? Ich mein, da werden .. nunja, Menschen, gleich welcher mehr oder weniger achtbaren Gruppenzugehörigkeit, als *Viecher* bezeichnet in einem Leserkommentar: damit muss man sich nun wirklich nicht gemein machen. Im Übrigen ist der Aufhänger völlig untauglich: ein vermutlich nur teilweiser Bescheid (gibt sicherlich Folgeseiten zu der dort angestellten Berechneung) und rechtskenntnisfreie Diskussion (bei der leistungshöhe wird gewiss nicht kindergeld zusätzlich ausgezahlt; überhaupt ist ohne die anhängenden Berechnungbögen keine Ausage zu treffen zu solchen Bescheiden)

    Und sollte dem Gambier bevorzugte Behandlung zuteil werden, so geschieht dies lediglich, um ihm eine weitere Traumatisierung aka enttäuschte Erwartungen zu ersparen (sarc)

    Denke aber, dass sich die Behörden so allmählich auf den tradierten Bürokratismus (Gleichschlechtbehandlung aller) zurückziehen; und der Helferhype nach weiteren Ernüchterungen abflauen wird, wie jede Mode..

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  3. Claudia

    Nun, an vielen Ecken merkt man, daß die indigenen hier nur noch Bürger 2. Klasse sind. Hier z.B. ein Leistungsbescheid für Asylbewerber, bei dem mir anhand der Summe von 3600€ (!!) die Augen übergingen:
    https://indexexpurgatorius.wordpress.com/2016/08/24/deutsche-werden-in-deutschland-diskriminiert/

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