Die Freiheit am Hindukusch

Die Älteren erinnern sich vielleicht noch an den denkwürdigen Spruch des damaligen Bundesverteidigungsministers Struck (SPD) zur Rechtfertigung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan, wonach Deutschlands Freiheit jetzt am Hindukusch verteidigt werde. Davon ist nicht mehr die Rede, sondern jetzt geht es eher darum, überhaupt noch einen Sinn in dem opferreichen Militäreinsatz zu erkennen, der irgendwie, trotz gegenteiliger Ankündigungen, auch nicht so richtig zu Ende gehen will.

Der Kommandeur der Bundeswehr in Afghanistan, André Bodemann, hat nun erklärt, dass eine langfristige Stationierung des deutschen Militärs in dem Land erforderlich sei. «Eine Jahreszahl kann ich Ihnen nicht nennen. Wir haben Erfolge erzielt, vieles davon wird man vielleicht erst in ein, zwei oder vier Jahren sehen», sagte der Brigadegeneral der «Welt». Und weiter: «Immer wenn die Frage aufkommt, ob wir gehen sollen, müssen wir schauen, wie befähigt die afghanische Armee ist.»

Derzeit gebe es noch eine «Patt-Situation» zwischen den islamistischen Taliban und den afghanischen Sicherheitskräften. Aber: «Wenn ich mir anschaue, wie unsere afghanischen Partner heute aufgestellt sind und wie sie Dinge, die wir ihnen vermitteln, annehmen, dann sehe ich Fortschritte.»[1]

Das ist sehr schön, wenn der General überall Fortschritte sieht und möglicherweise hat er ja, was das Militärische angeht, auch recht. Doch wofür stehen unsere Soldaten nun dort? Die Freiheit Deutschlands? Das mutet merkwürdig an, wenn gleichzeitig in Größenordnungen afghanische Asylbewerber nach Deutschland kommen. Dann kann doch irgendetwas am Bundeswehr-Einsatz nicht so ganz richtig gelaufen sein.

Dem deutschen Publikum wurde der Einsatz lange Jahre als Zurückdrängung der Taliban und bessere Schutzmaßnahme zum Bau von Schulen verkauft, in die auch Mädchen gehen dürfen. Nun wurden solche Schulen auch tatsächlich gebaut, doch etliche davon sind längst wieder zerstört oder den Mädchen versperrt, denn die Taliban befinden sich wieder auf dem Vormarsch.

Nun wäre zu hoffen, dass wenigstens im Herrschaftsbereich der von unseren Soldaten geschützten Regierung eine halbwegs zivilisierte Ordnung herrscht, für die einzutreten sich lohnt. Wenn schon nicht die Freiheit Deutschlands verteidigt wird, so wäre es doch aller Ehren wert, am Hindukusch für die dortige Freiheit zu streiten.

Dass in den ersten Jahren die hinreichend korrupte Regierung Karzai nicht gerade dazu angetan war, Sympathie für ihre Verteidigung unter Einsatz deutscher Soldatenleben zu wecken, belastet ja unser Urteilsvermögen möglicherweise zu Unrecht. Die jetzige Regierung ist vielleicht ganz anders und lohnt alle Anstrengungen. Der heutige Blick in die Zeitungen ernüchtert allerdings diesbezüglich und auch generell, was die Freiheit am Hindukusch angeht. Nicht nur wegen der steigenden Zahl afghanischer Asylbewerber. Neben der Anregung von General Bodemann, sich auf eine lange Afghanistan-Präsenz einzustellen, konnte man noch dies vom derzeit ortsüblichen Regierungsstil lesen:

Der afghanische Vizepräsident Abdul Rashid Dostom hat während eines Sportturniers in Nordafghanistan einen Widersacher zuerst selbst geschlagen, dann von seinen Wächtern verprügeln lassen und schließlich entführt. Das berichtete die «New York Times» am Montag. Der Vorfall habe sich bereits am Freitag ereignet, am Rande eines Buskashi-Turniers, bei dem zwei Mannschaften zu Pferde versuchen, eine kopflose Ziege über eine gegnerische Linie zu schleifen. Der entführte Mann sei ein Politiker aus Dostoms eigener Junbesh-Partei namens Ahmed Ishchi. Er habe Dostom zuvor kritisiert.

Dostom, ein Kriegsherr, dem viele Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, ist seit Monaten unglücklich mit der afghanischen Einheitsregierung von Präsident Ashraf Ghani und Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah. Sie ignorierten ihn, klagte er. Er drohte öffentlich damit, Ärger zu verursachen, sollte er nicht ernst genommen werden. Die Schlägerei geschah der Zeitung zufolge kurz nach einem weiteren Wutausbruch gegen Präsident Ghani. Hunderte Demonstranten verlangten am Sonntag vor dem Haus Dostoms die Freilassung des Entführten. Ohne Erfolg.[2]

Für solche Politiker schicken wir doch unsere Soldaten gern ins Feuer, oder? Vielleicht sollten unsere Politiker verstehen lernen, dass man einer Regierung, deren Überleben man mit eigenen Truppen sichert, klare Forderungen stellen kann und muss.  Leider glauben wir, es sei umgekehrt. Dann aber wird das nie etwas mit der Freiheit am Hindukusch, egal mit wie vielen Soldaten wir wie lange bleiben.

[1] Alle Zitate von General Bodemann zit. nach http://europeonline-magazine.eu/bundeswehr-kommandeur-in-afghanistan-haelt-langes-engagement-fuer-noetig_497654.html

[2] http://www.nzz.ch/international/eklat-bei-sportturnier-afghanischer-vizepraesident-entfuehrt-widersacher-ld.131079

1 Kommentar

  1. R. H.

    Ich kann mich sehr gut erinnern. Neben den Mädchenschulen sollte es auch darum gehen, die armen afghanischen Frauen vor der Burka (oder wie die „Kartoffelsäcke“ auch heißen mögen) zu bewahren. Sind eben diese Frauen aber als „Flüchtlinge“ in Deutschland angekommen, so muß intensivst ihre Freiheit in unserer „multikulturellen“ Gesellschaft verteidigt werden, just die Ganzkörperverpackung tragen zu dürfen. Und wer sich darüber mokiert, ist „islamophob“.

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