„Die größere Gruppe flüchtete“

DIE PRESSEKODEX-STILBLÜTE DES TAGES:

Alle beklagen zunehmende Brutalität, das schwindende Sicherheitsgefühl und diskutieren über mehr Kameraüberwachung, nachdem sieben junge Araber versucht haben, einen Berliner Obdachlosen in einem U-Bahnhof anzuzünden. Dabei gab es dort Kameraüberwachung und überlebt hat der Obdachlose nicht deshalb, weil es Kameras gab, sondern weil beherzte Passanten eingriffen. Die Kamerabilder verrieten aber auch, was nach dem Pressekodex eigentlich kein Thema der Berichterstattung sein soll. Mit der weitestgehenden Nicht-Nennung der Herkunft von Beteiligten an einer Straftat soll ja bekanntlich vermieden werden, Vorurteilen gegen bestimmte Personengruppen Nahrung und Bestätigung zu geben. Von dieser guten Absicht beseelt schreiben wohlmeinende Journalisten ihre Meldungen kunstvoll um missliebige Tatsachen herum. Doch was kann man tun, damit beim Leser nicht trotzdem unkorrekte Gedanken auftauchen und er bei jeder Informationslücke nun vermutet, es könnten Personengruppen beteiligt sein, deren guter Ruf unter besonderem Schutz steht? Ob das der Berliner Morgenpost hier gelungen ist?

Am Freitagabend war es zwischen etwa 15 Jugendlichen und vier Kontrahenten im ähnlichen Alter zu einem Streit gekommen, wie die Polizei mitteilte. Dabei stach ein junger Mann aus der größeren Gruppe dem 17-Jährigen mit einem Messer in den Rücken. Er musste im Krankenhaus behandelt werden. Ein anderer erlitt durch Schläge Verletzungen im Gesicht. Zudem wurde mit Reizgas gesprüht.

Bei der Auseinandersetzung gegen 22 Uhr soll die größere der beiden Gruppen vier Jugendliche im Alter zwischen 15 und 18 Jahren angesprochen haben. Dann sei es zum Streit gekommen, sagte die Polizei. Die größere Gruppe flüchtete danach. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung.

Quelle: http://www.morgenpost.de/berlin/polizeibericht/article209081875/17-Jaehriger-wird-am-Berliner-Fernsehturm-niedergestochen.html

1 Kommentar

  1. dentix07

    Es ist der Berliner MoPo nicht gelungen! Sie haben ein Messer erwähnt, damit Assoziationen zu „messern“, „ich mach dich messer“, etc. Vorschub geleistet und somit (da sich dies mit bestimmten Personengruppen verbindet) doch „Vorurteile“ geschürt!
    Besser wäre wohl gewesen nur von einem „unbekannten spitzen Gegenstand auf den jemand gefallen“ ist zu schreiben!

    Ach ne, dann wär’s ja Fake News!

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