Weltreich eines jüdischen Turk-Volks

Peter Frankopan lehrt uns, die Geschichte neu zu sehen – indem er nicht Europa, sondern den Nahen und Mittleren Osten zum Ausgangspunkt macht. Hier entstanden die ersten Hochkulturen und alle drei monotheistischen Weltreligionen; ein Reichtum an Gütern, Kultur und Wissen, der das Alte Europa seit jeher sehnsüchtig nach Osten blicken ließ. Berthold Seewald empfiehlt dieses Buch und seine Rezension allein ist lesenswert und lehrreich.  Wer weiß beispielsweise schon noch etwas vom Chasarenreich, das sich von den Steppen nördlich des Kaukasus bis in die Ukraine und nach Zentralasien ausdehnte. Die Chasaren waren ein Turkvolk, das im neunten Jahrhundert den jüdischen Glauben annahm. Nach dem eigenen großen militärischen Erfolg soll der Herrscher der Chasaren jüdische, christliche und muslimische Gelehrte zusammengerufen haben, um nach Beratungen zu entscheiden, welchen Glauben er mit seinem Volk künftig annehmen solle.

„So überlieferte ein Gelehrter hundert Jahre später eine Entscheidung, die vorher noch kein Volk außer den Juden getroffen hatte. Das Gros der Chasaren, auf jeden Fall ihre Führungsschicht, nahm den mosaischen Glauben an. Ob sich die Episode wirklich so zugetragen hat, ist eine offene Frage, auf jeden Fall gibt sie der englische Historiker Peter Frankopan in seinem neuen Buch „Licht aus dem Osten“ in aller Ausführlichkeit zum Besten. Als „eine neue Geschichte der Welt“ haben Kritiker seinen Versuch gerühmt, den Nabel der Weltgeschichte in den Nahen und Mittleren Osten zu verlegen. Andere halten dem entgegen, dass der Autor manche Fakten und Linien zugunsten seiner messianischen Botschaft gebeugt hat. Dass er dem Imperium der Chasaren ein eigenes Kapitel gewidmet hat, zeigt zumindest, wie sehr der Wechsel der Perspektive große Geschichten wieder ins Licht zu holen vermag.

Die Chasaren (Türk., etwa „Vagabunden“) waren ein turk-altaischer Völkerverband der eurasischen Steppe, der ab dem 3./4. Jahrhundert im Blickfeld der Hochkulturen auftauchte. Spätestens im 7. Jahrhundert setzten sie sich an der unteren Wolga fest und gaben ihre nomadische Lebensweise weitgehend auf. Denn sie entdeckten eine lukrativere wirtschaftliche Grundlage ihrer Existenz: den Handel mit Pelzen.“

Mehr hier: https://www.welt.de/geschichte/article161864828/Dieses-juedische-Imperium-reichte-weit-nach-Europa.html

Peter Frankopan: „Licht aus dem Osten: Eine neue Geschichte der Welt“. (A. d. Engl. v. Michael Bayer, Norbert Juraschitz. Rowohlt, Berlin. 944 S., 39,95 Euro

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