Zu spät geputscht?

Deutsche Geheimdienste stehen ja bei vielen Deutschen in dem schlechten Ruf, kaum nennenswerte Erkenntnisse zur Erklärung der Weltlage beizutragen. Auch der Bundesnachrichtendienst (BND) muss dieses Vorurteil zuweilen ertragen. Da macht es sich ja ganz gut, wenn der Dienst der Öffentlichkeit ein wenig von seinen bahnbrechenden Erkenntnissen mitteilt, wie in dieser Meldung:

Der Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), Bruno Kahl, glaubt nicht, dass die Gülen-Bewegung für den Putschversuch in der Türkei verantwortlich ist. Er sehe keine Anzeichen dafür, dass der Prediger hinter dem gescheiterten Aufstand stecke, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. „Die Türkei hat auf den verschiedensten Ebenen versucht, uns davon zu überzeugen. Das ist ihr aber bislang nicht gelungen“, sagte Kahl.

Gut, das war jetzt noch nicht so besonders überraschend, sondern eigentlich jedem nur halbwegs informierten Medienkonsumenten klar. Gibt’s da noch was?

Der BND-Chef hat auch der Einschätzung der türkischen Regierung widersprochen, die Gülen-Bewegung sei islamistisch-extremistisch oder gar terroristisch. Nach Ansicht von Kahl ist sie eine „zivile Vereinigung zur religiösen und säkularen Weiterbildung“.

Oha! Der Gülen ist also kein Terrorist. Gut, das ahnten wir. Aber dass es für unseren Geheimdienst reicht, wenn eine islamistische Organisation nicht zu den Waffen greift, um in ihr eine „zivile Vereinigung“ zu sehen, verrät immerhin etwas über das Weltbild, das der Leiter des Dienstes vermitteln will.

Doch kommen wir mal zu Erdogans Staatsstreich. Der war so gut vorbereitet, dass man annehmen musste, den Putschversuch hat der Präsident selbst inszeniert. Dazu kann der BND doch bestimmt etwas sagen, oder?

Kahl widersprach auch Verschwörungstheorien, nach denen die türkische Regierung selbst für den Putschversuch verantwortlich gewesen sein soll. „Der Putschversuch war nicht staatlich initiiert“, ist sich der BND-Chef sicher. Bereits vor dem 15. Juli habe eine große Säuberungswelle der Regierung begonnen. „Deshalb dachten Teile des Militärs, sie sollten schnell putschen, bevor es auch sie erwischt. Aber es war zu spät und sie sind mit weggesäubert worden.“

Der Erdogan-Staatsstreich wäre also auch ohne Putschversuch so abgelaufen? Die Militärs haben einfach zu spät geputscht? Wenn die doch nur vor einem Jahr schon all das gewusst hätten, was heute der BND weiß.

Mehr hier: http://www.tagesschau.de/inland/bnd-guelen-bewegung-nicht-verantwortlich-101.html

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