Twittern mit Kontext

Sandra Maischberger warf Beatrix von Storch von der AfD vor: Mit Verlaub, Sie haben einen Tweet losgelassen, der klang jetzt auch nicht so fein. Da sagten sie den Südeuropäern, die muss man „zum Sparen zwingen und den Griechen den Marsch blasen“. Die folgende Szene beschreibt Stefan Niggemeier in Übermedien so:

Als von Storch sagte, das sei gerade nicht das, was ihre Partei wolle, hielt ihr Maischberger trocken vor: „Das ist Ihr Tweet.“

Von Storch reagierte hilflos, dass da wohl der Kontext fehle, was für Belustigung in der Runde sorgte, vor allem bei Marieluise Beck von den Grünen: „Tweets haben keinen Kontext“, lachte sie, „Tweets haben 140 Zeichen!“

Von Storch schien blamiert, so beschrieben es auch die Berichterstatter über Maischbergers Sendung. Niggemeier beweist nun, dass Tweets durchaus einen Kontext haben können, nämlich indem sie sich auf einen Link beziehen. Dann muss man natürlich den Link auch mal anklicken, um eine Aussage richtig zu verstehen:

Ihr Tweet hat einen Kontext, sogar innerhalb der 140 Zeichen. Er besteht konkret in einem Link zu einem Tweet der nordrhein-westfälischen SPD. Die zitiert den neuen SPD-Vorsitzenden Martin Schulz mit dem Satz: „Wir wollen ein europäisches Deutschland und nie wieder ein germanisiertes Europa.“ Mit diesem Kontext ist klar, wie Beatrix von Storch ihre Wörter meinte: Sie geben nicht ihre eigene Position wieder, sondern die Position, die sie Schulz unterstellt – und kritisiert.

Von Storchs  Tweet –  im Wortlaut: Will kein „germanisiertes Europa“ – aber die Südeuropäer zum Sparen zwingen und den Griechen den Marsch blasen. https://twitter.com/nrwspd/status/845590546890575872wurde durch das Ignorieren des Links inhaltlich ins Gegenteil verkehrt. Keine journalistische Glanzleistung. Aber es gab doch bestimmt eine Richtigstellung oder Entschuldigung, oder? Übermedien verrät es hier.

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