Glockenspiel für den Muezzin?

Erinnern Sie sich noch an die letzten Wochen des Jahres 2014? Die deutschen Medien arbeiteten sich aufgeregt an einem neuen Phänomen mit immer stärkerem Zulauf namens Pegida ab. Wer dieses Kürzel der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands“ in Politik und Medien seinerzeit erläuterte, versäumte es nicht, die Ängste vor einer „angeblichen Islamisierung“ herablassend als vollkommen unsinnig zu verspotten und darauf zu verweisen, wie wenig öffentlichen Raum der Islam doch einnimmt.

Einige mörderische radikalislamische Anschläge und eine bis dato unvorstellbar große muslimische Masseneinwanderungswelle später mühen sich die Verantwortungsträger, selbst fragwürdigen muslimischen Gemeinden zu mehr Platz im öffentlichen Raum zu verhelfen, ganz so, als wäre die Förderung des Moscheebaus eine staatliche Aufgabe.

Wenn es immer mehr gläubige Muslime gibt, dann ist es selbstverständlich nicht verwunderlich, dass sie auch Gebetsstätten haben wollen. Aber das Einzige, was ein freiheitlicher Staat dazu zu tun hat, ist ein solches Vorhaben nicht zu behindern. Wie die Muslime es schaffen, sich Moscheeräume zu mieten, Grundstücke zu kaufen und Moscheen zu bauen, liegt hingegen allein in ihrer Verantwortung und bedarf keiner gezielten Unterstützung des Staates und seiner Behörden. Doch der können sich islamische Gemeinden in Deutschland mehr und mehr erfreuen.

Nach jedem radikalislamischen Anschlag sah die Politik vor allem die Gefahr einer entstehenden Islamophobie. Bessere Bedingungen für Muslime, ihren Glauben zu leben, würden bei der Integration helfen, heißt es zudem immer wieder. Und seit der als „Flüchtlingskrise“ missdeuteten unkontrollierten Massenzuwanderung, im Rahmen derer zumeist Muslime kommen, galt Hilfe bei der Expansion islamischer Gemeinden als Teil der „Willkommenskultur“. Dieses Klima scheint krude Ideen geradezu zu beflügeln.

Zum Beispiel, wenn es um die Al-Farouk-Moschee in Potsdam geht. Die Räume der Gemeinde sind zu klein. Nun ist das für jeden Verein ein Problem, wenn seine Räumlichkeiten wegen starken Zulaufs aus allen Nähten platzen. Jeder andere Verein muss dieses Problem dann auch mit den eigenen Mitteln, bzw. den Mitteln seiner Mitglieder lösen, ohne dass sich gleich Oberbürgermeister und Kulturministerin seiner annehmen. Bei Islamgemeinden, die ihrer Rechtsform nach nichts anderes als Vereine sind, ist das anders.

Die Potsdamer Al-Farouk-Moschee ist zu klein für den Zulauf, den sie am Freitag zum Freitagsgebet hat. Die Muslime beteten nun einfach auf der Straße. Während jeder andere Verein, der bei großem Andrang zu seinen Veranstaltungen einfach die Straße nutzt, von seiner Stadt allenfalls einen Bußgeldbescheid für die ungenehmigte Straßennutzung zu erwarten hätte, wurde die Moscheegemeinde eingeladen, freitags in der Biosphäre zu beten, einem Tropenhaus, das zur Bundesgartenschau 2001 errichtet wurde.

Das kann natürlich keine Dauerlösung sein und weil die Moscheegemeinde bei der Suche nach neuen Räumen nicht erfolgreich ist, fühlen sich Stadt und Land in der Pflicht. Während Al-Farouk-Prediger in der Reportage von Constantin Schreiber aus deutschen Moscheen damit auffallen, dass sie die Abschottung vor der nichtislamischen Gesellschaft propagieren, sitzen Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch und Oberbürgermeister Jann Jakobs (beide SPD) Anfang April in einer Veranstaltung, in der es vor allem darum geht, wie Al-Farouk an neue Räume kommt. Und Kulturministerin Münch hatte eine zündende Idee: Der umstrittene Wiederaufbau der Garnisonkirche könnte doch zu einem Moscheebau werden. Dann wären die Wiederaufbaugegner sicher prompt ruhig.

Der berühmte Kirchenbau wurde von der DDR gesprengt. Auch heute gilt sie vielen Kritikern des Wiederaufbaus als historisch zu belastet, dabei hat sie alle Facetten deutscher Geschichte nur etwas prominenter durchlebt. Der Förderverein, der sich schon lange für ihren Wiederaufbau einsetzt, stellt ihre Bedeutung in aller Kürze so vor:

In der Hof- und Garnisonkirche Potsdam bildet sich deutsche Geschichte wie unter einem Brennglas verdichtet ab: Zar Alexander I. und Napoleon besuchten den Sarg Friedrichs II., die ersten frei gewählten Stadtverordneten Potsdams tagten hier, Lutheraner und Reformierte bildeten hier ihre Union, die Nationalsozialisten missbrauchten die Kirche am sogenannten Tag von Potsdam und viele Mitglieder des 20. Juli gehörten zu dieser Gemeinde.

Und dieser Reigen könnte doch nun von den Anhängern Allahs und seines Propheten fortgesetzt werden, wenn man der Genossin Kulturministerin folgt. Es wäre, sagte sie, „ein Zeichen von brüderlichem Miteinander […], wenn wir zum Beispiel darüber nachdenken, was wird denn mit dem Kirchenschiff der Garnisonkirche, könnte man dort nicht eine Moschee denken.“

Im Herbst soll der Wiederaufbau des Kirchturms beginnen, der des Kirchenschiffs ist noch nicht geplant. Aber allein schon die Idee zeigt, welche Privilegien die Ministerin einer fragwürdigen Islamgemeinde einräumen würde. Ist das nicht doch eine tatsächliche und keine „angebliche“ Islamisierung? Noch vor wenigen Jahren hätte ein solcher Einfall als zu absurd gegolten, um ihn ernsthaft in einer öffentlichen Debatte vorzubringen.

Immerhin weiß die Ministerin, dass sie der Al-Farouk-Moscheegemeinde solche exklusiven Räume nicht hinreichend schnell zur Verfügung stellen kann: „Klar ist aber auch, dass dieser Vorschlag keine kurzfristige Lösung bei der Suche nach einem Standort für eine Moschee sein kann“, sagte sie dem rbb. Da werden sich die Behörden wohl weiter um größere Räume für Muslime bemühen müssen. Das kann man ihnen ja schließlich nicht allein überlassen wie allen anderen.

Aber sollten irgendwann islamische Prediger die Garnisonkirche übernehmen, wird es interessant sein, zu sehen, wie der Ruf des Muezzin und das berühmte Glockenspiel mit „Üb immer Treu und Redlichkeit“ harmonieren werden.

3 Kommentare

  1. Dirk Jungnickel

    Danke, Peter Grimm für diesen Beitrag.
    Auch in mir kommt Sarkasmus hoch, wenn ich mir die jahrelangen Querelen um den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche
    vor Augen halte. Die Ewig- Gestrigen in Potsdam – einer Stadt in der SED-, NVA – und Stasi – Vergangenheit bekanntlich überproportional zu verzeichnen ist –
    wehren sich vehement gegen den Abriss des häßlichen Interhotel – Klotzes mitten in der Stadt. Das hat dem Vernehmen nach mit „DDR “ – Nostalgie zu tun.
    Dieselbe linke grün – gutmenschelde Klientel wirft den Befürwortern eines Wiederaufbau dieses bedeutenden barocken Sakralbaus vor, preussischen Militarismus
    verherrlichen zu wollen und dem sogenannten Tag von Potsdam zu huldigen. Gemeint ist der Festakt zur Eröffnung des Reichstages am 21. Mai 1933.
    Die eigentliche konstituierende Sitzung fand dann in der Kroll – Oper, Berlin, statt. Ein Foto, auf dem Hitler dem Reichspräsidenten von Hindenburg vor der Garnisonkirche mit Handschlag begrüßt, diente den Nazis zur Überhöhung des Ereignisses – und der SED als willkommener Grund, das Gotteshaus als Menetekel preußischer Kriegstreiberei zu diffamieren und trotz der Proteste der Bevölkerung im Jahre 1968 vollständig sprengen zu lassen. Obwohl der Turm noch für das Gemeindeleben und für Gottesdienste genutzt wurde. (Die Zerstörung bei einem Bombenangriff 1945 erfolgte nur teilweise.)
    Eine Kirche jedenfalls ist nach dem gesunden Menschenverstand nicht für das was in ihr und außerhalb derselben stattfindet verantwortlich zu machen.
    Und bedeutende Kulturdenkmale sind von Staats wegen zu erhalten !
    Wenn heute Frau Münch eine Umwidmung des Gotteshauses ins Gespräch bringt, dann hat sie womöglich die Hagia Sophia in Istanbul vor Augen. Dort hat es der Islam bekanntlich geschafft.
    Unter dem Banner des Multikulturismus ist eine solcher Frevel inszeniert von o.g. Klientel, inzwischen durchaus denkbar !

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  2. Reiner Wehpunkt

    Die Umwandlung der traditionsreichen Potsdamer Garnisonskirche in eine Moschee erscheint nur logisch und konsequent.
    Dem dumpfverblödeten deutschen Trottel wird das Ganze als „Zeichen von brüderlichem Miteinander“ verkauft und schon duckt er sich schweigend weg; ein paar wenige Feiglinge reisen couragiert nach Köln, um den Kampf gegen die bedrohliche AfD zu unterstützen.

    Ich schlage vor, die neue Moschee in vormals christlichen Räumen „Fatih-Sultan-Moschee“ zu nennen. Als Sultan Mehmed II. eroberte er Konstantinopel und war bekannt dafür, Christen zusammentreiben, pfählen und köpfen zu lassen.

    Und auch das, liebe Eroberer, würde der deutsche Lemming dann klaglos über sich ergehen lassen, ihr müßt dabei nur die Glotze weiter laufen lassen, dann bleibt der Volltrottel ruhig ….

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  3. R.J.

    Danke. Man kann es auch, mit Blick auf die jüngere Geschichte, so sehen.

    In der Garnisonskirche erfolgte die Machtübergabe des Bürgertums an einen Fanatiker, dessen politische Religion alle Bereiche der Gesellschaft durchdrang, der einen weltweiten Krieg entfachte und sich durch einen militanten Antisemitismus hervortat. Dieser Abgesandte des Weltschicksals verneigte sich demütig, allerdings fielen dann die letzten Reste der Maske. Es begann ein gemäß Planung tausendjähriges, endzeitliches Reich, mit millionenfachem Morden und millionenfacher Unterdrückung.

    In einigen Jahren wird dort die Macht an den Repräsentanten einer archaischen Bewegung übergeben, deren religiöse Politik alle Bereiche der Gesellschaft durchdringt, die einen weltweiten Djihad entfacht und sich durch einen militanten Antisemitismus hervortut. Dieser Abgesandte des Weltenherrschers verneigt sich demütig, allerdings fallen dann die letzten Reste der Maske. Es beginnt ein endzeitliches Reich tausendjähriger geistiger und kultureller Finsternis, mit millionenfachem Morden und millionenfacher Unterdrückung.

    Die Sunnademokratische Partei Deutschlands erscheint hier wie gewohnt. Eine typische Fata Schulzana.

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