Freut Euch, eine Wahl gehabt zu haben!

Die Briten können sich freuen. Sie hatten eine Wahl und konnten das Endergebnis mit Spannung erwarten. Im Moment, als diese Zeilen geschrieben wurden, war noch nicht endgültig sicher, ob Theresa May nun ohne absolute Mehrheit regieren muss. Und während sich Berichterstatter und Kommentatoren beim Warten auf die Zahlen schon mal an den Gedanken gewöhnen, dass die Regierungschefin keine eigene Mehrheit haben könnte, muss sich der deutsche Zuschauer dieser spannenden Wahlnacht an den Gedanken gewöhnen, dass ihm daheim im September zur Bundestagswahl nicht nur kaum Erbauliches zur Stimmabgabe angeboten wird, sondern wohl auch die spannende Wahlnacht ausbleibt.

Jeder Wähler weiß im Grunde schon jetzt, wer nach der Wahl die Bundeskanzlerin sein wird. Sie muss um keine Mehrheit zittern und kann sich ihres Amtes so sicher sein, wie es normalerweise nur Regierungschefs sein können, die ihrem Wahlvolk eine rundum positive Bilanz vorweisen können. Das würde wohl nicht einmal die Mehrheit ihrer Wähler behaupten. Aber sie vermag es, eine Atmosphäre von Alternativlosigkeit zu erzeugen und alle anderen Parlamentsparteien helfen ihr dabei. Nicht nur, dass sie alle nicht opponierten, als sich die Kanzlerin unter dem Banner der Menschlichkeit Entscheidungen anmaßte, zu denen sie allein nicht legitimiert war. Die plötzliche, unkontrollierte, weitestgehend islamische Masseneinwanderung verändert diese Gesellschaft nachhaltig. Egal, ob man das gut findet oder nicht, so muss in einer Demokratie über einen solchen Schritt auch demokratisch entschieden werden und nicht durch einen Willkommensruf der Spitzenfrau. Aber das ist alles längst bekannt und längst gesagt. Und der Bundestag hat zwar darüber nicht abgestimmt, aber alle Fraktionen haben sich ja doch in dieser Frage irgendwie hinter die Kanzlerin gestellt. Es war ja schließlich alternativlos. So wie es dann die Kanzlerin nach dem 24. September wohl sein wird.

Die Briten können sich freuen. Wenn die Regierungschefin nun keine eigene Mehrheit hat, so muss sie ihre politisch-handwerklichen Fähigkeiten unter Beweis stellen und eine politische Linie finden, für die die sie eine Mehrheit der Abgeordneten, auch jenseits der Parteibuchgrenzen, gewinnen kann. Vor Jahren hätte einem nun jeder gesagt, das sei doch demokratische Normalität. Aber in einem Land, in dem man sicher weiß, dass Schwierigkeiten bei der parlamentarischen Mehrheitsfindung letztlich ganz einfach mit der Bildung einer Großen Koalition aus dem Wege geräumt werden, muss man sich nicht mehr mühen, Mandatsträger inhaltlich zu überzeugen.

Die Briten können sich freuen. Eine Große Koalition bleibt ihnen sicher erspart. Sie können sich auch freuen, dass sie das Mehrheitswahlrecht haben, welches die Abgeordneten unabhängiger von den Parteiapparaten macht, wo nicht Listenplätze entscheiden, wer Mandatsträger wird, sondern der Wähler direkt.

Mag das Wahlergebnis so manche Briten nicht freuen, aber die Wahlmöglichkeiten, die verschiedenen Optionen, die sollten sie freuen, wenn sie auf die lähmende Alternativlosigkeit in Deutschland blicken.

2 Kommentare

  1. Reiner Wehpunkt

    Deutschland und Demokratie geht eben nicht zusammen.

    Eine Zeitlang schien es zu funktionieren, doch nun zeigt sich, daß die deutsche Mentalität immer einen skrupellosen Führer braucht. Als kleine Abwechslung bekommen wir heute eine Führerin, ja, es ist diesmal die größte alternativlose Führerin aller Zeiten.

    Wenn das man nicht mal ein Fortschritt ist!

    Antworten
  2. Rolf

    Danke!
    Für diesen Kommentar.
    Vor rund 28 Jahren hatte ich ja schon einmal auf der Grundlage meines damals aktuellen Wohnsitz‘ im Britischen Sektor und der auch damals alternativlosen Situation erwogen, die Queen um einen Pass des Commonwealth zu bitten…

    Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.