Klimakampf ist Klassenkampf

Wir alle wissen – im Deutschen Bundestag dürfte darüber nahezu hundertprozentige Einigkeit herrschen -, dass der Klimawandel bekämpft und das Klima gerettet werden muss. Nur Defätisten, Rechte und „Klimaleugner“ stören diese Einsicht bekanntlich mit gemeinen Fragen nach wissenschaftlich belastbaren Forschungsergebnissen zu den Ursachen des Klimawandels. Wer nach denen sucht, kann ja nicht retten, aber dazu sehen sich Weltenretter nun einmal berufen.

Programme zur Reduzierung von Kohlendioxidemissionen lassen sich zwar auch gut begründen, ohne gleich am großen Weltenrettungs-Rad zu drehen, aber das Motto „am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ können die, die niemals deutsch sein wollen in der Regel am besten ausleben.

Die Grünen ziehen in den Bundestagswahlkampf mit der Forderung nach einem Kohle-Ausstieg, ohne allerdings zu erklären, wie ein entwickeltes Industrieland dann zuverlässig an die benötigte Energie kommt. Atomstrom steht ja alsbald im Lande nicht mehr zur Verfügung. Vielleicht meinen es die Grünen an dieser Stelle gar nicht so ernst mit dem Kohle-Ausstieg?

Damit sie das nicht vergessen, kümmern sich nun einige Linksextreme ganz praktisch um den Kohleausstieg, wie sie ihre Leser mit einer Ankündigung auf linksunten.indymedia wissen lassen:

Der Widerstand der Klimabewegung gegen den Braunkohleabbau im Rheinischen Revier geht in die nächste Runde. Im August 2017 werden verschiedene Akteur*innen die klimazerstörerischen Abläufe gehörig durcheinander bringen, denn der Klimawandel muss dort bekämpft werden, wo er verursacht wird. Durch „Zucker im Tank“ als ein*e Akteur*in sollen Kleingruppenaktionen gestärkt und sichtbarer gemacht werden! Wir sehen uns als eine Ergänzung zu den schon bestehenden Strukturen, um den Widerstand noch stärker und vielfältiger zu machen.

Ob sich die Kohle-Aussteiger über die Unterstützer freuen, die den „Widerstand noch stärker und vielfältiger“ machen wollen? Wer weiß das schon. Jedenfalls können die klimarettenden Linksextremen einem – wie die meisten Linken – unwahrscheinlich gut die Welt erklären:

Der Staat ist keine Institution, in die wir Hoffnungen setzen, da er genau diese Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung sichert. Mit der Überwindung des Kapitalismus allein ist der Klimawandel zwar noch nicht aufgehalten, aber die Rettung des Klimas und unserer Lebensgrundlagen ist nur durch eine Überwindung des Kapitalismus möglich.

Doch wir wollen nicht nur Kapitalismus und Staat bekämpfen, auch andere Herrschaftsstrukturen wie das Patriarchat oder Rassismus sind eng mit der Klimakrise verknüpft.

Also hilft auch Gendern bei der Klimarettung? Bei solchen Kleinigkeiten können sich die Anti-Kohle-Aktivisten nicht aufhalten. Der Kapitalismus muss bekämpft werden, denn er befördert den Klimawandel allein schon durch den Energiehunger der Industrie. Und der ist völlig ungerecht.

Im Namen des Kapitals führen vor Allem die Emissionen der reichsten und privilegiertesten zum Klimawandel. Die reichsten zehn Prozent produzieren die Hälfte der weltweit emittierten Treibhausgase, während 16 Prozent der Weltbevölkerung keinen Zugang zu Strom haben. Wetterkatastrophen, stark steigende Ernteausfälle, Flucht und Vertreibung treffen diejenigen, die durch ihre Klasse, Gender und Race unterdrückt sind und keinen Zugang zum Kapital besitzen. Politiker*innen aller Regierungen erzeugen Laber-Blasen und halten die Macht der Energiekonzerne aufrecht. Die Ausbeutung von Tieren trägt durch die Emissionen von Methan, CO2 und anderen Treibhausgasen maßgeblich zum Klimawandel bei.

Vielleicht sollten einfach die stromprivilegierten 16 Prozent solidarisch auf allen Strom verzichten? Nein, das wäre zu wenig kämpferisch. Eigentlich sollte man das Gleiche tun wie immer, irgendetwas angreifen und kaputtschlagen, es müssen ja nicht immer Menschen sein, es reicht auch die wirtschaftliche Existenz eines „Feindes“. Wer gegen Kohleverstromung kämpft tut nämlich viel mehr:

Der Klimawandel ist eine der größten Gerechtigkeitskrisen der Menschheitsgeschichte, deshalb ist der Kampf ums Klima zugleich auch ein feministischer, antirassistischer, anti-staatlicher und antikapitalistischer Kampf, ein Klassenkampf und ein Kampf gegen Tierausbeutung und Militarismus. Oder kurz: Ein Kampf gegen Herrschaft im Allgemeinen.

Also im Rheinischen Revier wird ab August gegen die Weltherrschaft im Allgemeinen gekämpft. Und deshalb wollen die Linksextremisten auch nicht von den weniger kampfbereiten Kohlegegnern ausgegrenzt werden, nur weil bei denen ein paar sensible Demonstranten kein Blut sehen können.

Der Widerstand im Rheinischen Revier ist plural und nutzt verschiedene Formen. Gerade diese Vielfalt macht ihn stark und wirkmächtig. Die Aktionstage 2017 wollen erreichen, dass verschiedene Akteur*innen mit ihren eigenen Aktionen und inhaltlichen Schwerpunkten sichtbar werden, und sich gleichzeitig aufeinander beziehen können. Das bedarf auch einer kritischen Solidarität und Respekt untereinander. Keine Aktion sollte eine andere unmöglich machen.

Also liebe Kohle-Aussteiger, lasst sie zerstören und angreifen, sie tun es doch auch für Euch, für eine Welt ohne Kohle und ohne Herrschaft. Das klingt doch idyllisch, oder? Früher brauchte die Weltrevolution noch das Proletariat und das setzt das Vorhandensein von Industrie voraus. Aber deshalb war es ja in kommunistischen Staaten damals immer so grau und dreckig. Da ist es doch schön, wenn die zeitgemäßen Revolutionäre die Kohle abschaffen wollen. Die schöne neue Welt verspricht jetzt Armut und saubere Luft, statt früher Armut und Dreck. Man muss kleine Fortschritte auch mal würdigen.

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