Nur Wasser auf den Sand gegossen

Der 27-jährige Schriftsteller Kacem El Ghazzali (27) kommt ursprünglich aus Marokko und lebt seit 2011 als Flüchtling in der Schweiz. Warum er Schutz in Europa gesucht hat, ist nur zu verständlich, wenn man seine Texte liest. In denen setzt er sich äußerst kritisch mit dem politischen Islam auseinander. Seine Überlebenschancen wären damit in jedem islamischen Land äußerst gering. Selbst hierzulande begeben sich ja bekennende Islamkritiker und Vertreter eines Reformislam in Lebensgefahr und müssen unter Polizeischutz gestellt werden, wie Hamed Abdel-Samad oder Seyran Ates. Ghazzali beschäftigt sich in einem aktuellen Text vor allem mit der Zwangsverschleierung von Frauen:

Eines der einprägsamsten Bilder des Jahres 2016 war das der Frauen von Manbij. Nachdem sie zwei Jahre unter der Tyrannei des Islamischen Staates leben mussten, konnten es die letzten verbliebenen Bewohner der nordsyrischen Stadt Manbij kaum glauben, als endlich die von den USA unterstützten Kräfte eintrafen, um sie zu retten: Frauen, Männer und Kinder drängten auf die Straßen und feierten die Befreiung ihrer Region vom Islamischen Staat. Dabei verbreiteten sich in den sozialen Netzwerken rasch Videos, die zeigten, wie muslimische Frauen ihre Burkas und Niqabs verbrannten und Männer demonstrativ ihre Bärte abrasierten.

Die mutigen Frauen von Manbij haben mit dem Verbrennen ihrer Niqabs nicht nur ein Symbol zerstört, unter welchem sie die letzten zwei Jahre zu leben gezwungen waren, sondern sie haben damit zugleich auch die meisten Argumente verbrannt, die behaupten, dass Muslimas die Niqabs freiwillig tragen würden. Argumente notabene, die nicht selten bei vielen westlichen Liberalen und Feministinnen zu finden sind.

Die unterstützen leider zumeist nicht die von Islamisten bedrohte liberale Moschee von Seyran Ates, in der Frauen nicht nur zusammen mit Männern, sondern auch ohne Kopftuch beten können. Stattdessen setzen sie sich gern gegen Kopftuchverbote ein. Dazu Ghazzali:

Und dennoch bin ich mir sicher, dass es Leute gibt, die versuchen, die Burka und den Niqab unter dem Banner der Religionsfreiheit zu verteidigen. Doch die Religionsfreiheit darf nicht den Menschenrechten widersprechen. Andernfalls könnten wir konsequenterweise im Namen der Religionsfreiheit auch gleich die Handlungen derer legitimieren, die es als ihre religiöse Pflicht ansehen, Apostaten zu töten.

Nichts ist an einer Burka oder einem Niqab liberal, und es ist auch nichts progressiv an jenen, die sie verteidigen oder den Niqab als «religiöses und kulturelles Recht» verklären. Der Niqab ist nicht nur eine kulturelle und religiöse Tradition, sondern auch ein Symbol der geschlechtsspezifischen Diskriminierung. Wer wunderte sich nicht während der Sommerferien in der Zürcher oder Luzerner Bahnhofstrasse über jene Frauen in Niqabs, die von ihren Männern in Marken-Jeans und T-Shirts begleitet wurden? Die Vernunft sagt, dass dies klar ein Werkzeug der absoluten Diskriminierung ist, basierend auf dem Geschlecht: einerseits ein Recht für den Mann, andererseits ein anderes Recht für die Frau. Solche Gepflogenheiten dürfen in Ländern, in denen die Gleichstellung von Mann und Frau eine der wichtigsten Säulen einer liberalen Gesellschaft ist, nicht geduldet werden.

Aber Ghazzali erinnert auch daran, dass ein einfaches Vollverschleierungsverbot nicht reicht.

Burkas und Niqabs sind lediglich ein Symptom einer viel größeren Krankheit, nämlich derjenigen des Islamismus.

Ein Verbot ohne sachliche Auseinandersetzung mit dem Islamismus wäre zwecklos. Es benötigt gleichzeitig zum Burka- und Niqabverbot eine Diskussion, die das Kind beim Namen nennt. Eine Diskussion, die nicht alle noch so reaktionären Seiten der islamischen Religion wie Sharia und Unterdrückung der Frauen unter dem Banner der «Religionsfreiheit» verteidigt. Sonst wäre «das Wasser auf den Sand gegossen», wie eine arabische Redewendung sagt.

Leider gibt es nur wenige, die sich dieser Herausforderung derzeit stellen. Und dies sind meist Migranten, die mutig gegen eine Übermacht innerhalb der islamischen Zuwanderergemeinschaften aufbegehren und dabei von der deutschen Mehrheitsgesellschaft meist allein gelassen werden. Die weigert sich leider größtenteils, die Gefahren der Islamideologie zur Kenntnis zu nehmen.

Quelle der Zitate: https://www.kacemelghazzali.com/single-post/2017/07/30/Das-liberale-M%C3%A4rchen-aus-tausendundeiner-Nacht-%C3%BCber-die-Nikab

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