Nieder mit Kuh und Kamin

Deutschland ist bedroht. Zumindest scheint das normale Alltagsleben der Deutschen ernsthaft gefährdet zu sein, wenn man dieser Tage die deutschen Medien auf sich wirken lässt. Nein, um ihr Geld müssen die Deutschen keine Angst haben, denn Inflation und schleichende Guthaben-Enteignung durch Negativ-Zinsen und stetige zweifelhafte Milliarden-Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank sind kaum noch ein Thema oder gelten als ungefährlich. Und die unkontrollierte Einwanderung mehrheitlich junger muslimischer Männer in Heeresstärke? Da gilt immer noch der Satz: „Wir schaffen das!“ Darüber muss man auch nicht weiter reden, denn jetzt gilt es, die in Deutschland lebende Völkergemeinschaft vor den wirklichen Gefahren zu schützen: dem Ei und dem Diesel beispielsweise.

Letzterer ist ohnehin ein Produkt gewissenloser deutscher Ingenieurskunst, die sich einst in den Dienst kapitalistischer Wertschöpfung durch industrielle Produktion stellte. Leicht fällt es da, nach einem Verbot zu rufen. Dass man ihn irgendwie noch brauchen könnte und auch Wertschöpfung zum Erwirtschaften all der gerecht zu verteilenden Wohltaten irgendwie nötig ist, das kann man als moderner Mensch getrost vergessen. Das ist alles altes Wissen aus einer Zeit, da man noch nicht einmal Gender-Forschung als Wissenschaft ernst genommen hatte.

Doch Schluss jetzt mit der Ablenkung durch polemisch anmutende Bemerkungen: Es ist an der Zeit, wie viele andere auch, endlich den wirklichen Gefahren ins Auge zu sehen. Blicken wir auf den Schaden, den der Dieselmotor anrichtet und der deshalb verboten gehört. Schließlich – so lesen und hören wir allenthalben – sterben in Deutschland Jahr für Jahr 10000 Menschen an Dieselabgasen. Das ist doch wirklich beängstigend, auch wenn der Risikoforscher Gerd Gigerenzer in einem Interview mit der FAZ scheinbar den Versuch relativierenden Verharmlosens unternimmt:

Das sind Schätzungen, einen kausalen Beweis für diese Zahlen haben wir nicht. Unsere Kollegen vom Max-Planck-Institut für Chemie haben schon vor zwei Jahren geschätzt, dass weltweit 3,3 Millionen Menschen pro Jahr durch Luftverschmutzung sterben, in Deutschland 34 000. Hauptursache sind weltweit häusliche Kleinfeuer und in Deutschland mit 45 Prozent die Landwirtschaft. Der Verkehr macht bei uns 20 Prozent aus, also immer noch 7000 Tote.

Auf die Frage, wie diese Zahlen zustande kommen antwortet er:

Das ist nicht immer ganz durchsichtig. In der Landwirtschaft geht es um die übermäßige Verwendung von Düngemitteln. Dadurch gelangt Ammoniak in die Atmosphäre, das sich in Nitrat verwandelt, am Ende hat man Stickoxide.

Und wenn der FAZ-Interviewer provokativ fragt, ob die Kuh dann gefährlicher als das Auto sei, antwortet Gigerenzer doch von derzeit meinungsbildenden Ansichten offenbar völlig unbeeinflusst:

So könnte man es sagen. Wie viele Menschen daran sterben, ist aber umstritten.

Soll der gute Deutsche jetzt wirklich glauben, der Diesel sei gar nicht so schlimm? Vielleicht lässt sich das Relativieren des Professors auch anders verstehen: Wenn auf anderen Gebieten ebenso große Gefahren lauern, dann muss jeder, der weiter denkt, überlegen, was nach dem Diesel alles zu verbieten ist. Um Diesel-Verbote kümmern sich ja schon hinreichend einflussreiche Organisationen und Institutionen. Aber dann kann man doch mit dem Verbieten nicht einfach aufhören.

Was verdient ein Verbot, weil es ähnlich gefährlich ist, wie der Diesel, Herr Professor Gigerenzer? Hören wir ihm zu, auch wenn sich manche Verbotsforderer und Verbotsdurchsetzer vielleicht nicht richtig ernst genommen fühlen, denn er spricht in diesem Zusammenhang auch von einem angeblichen „deutschen Hang zur Panik“.

Einen solchen Hang kann man doch aber nun wirklich nicht erkennen. Weder gestiegene Terrorgefahr, die Zunahme von Messerstechereien und Massenschlägereien, noch die Häufung von sexuellen Übergriffen durch Gruppen junger Männer in der Eingewöhnungsphase lassen die Deutschen panisch reagieren. Im Gegenteil: Sie wählen in sechs Wochen mehrheitlich ganz gelassen wieder die Bundeskanzlerin, die ihnen mit einem weltweit gehörten Willkommensruf und der Weigerung, Zuwanderer kontrollieren oder gar zurückweisen zu lassen, binnen kürzester Zeit neue Mitmenschen in Millionenzahl beschert hat. Die Mehrheit dieser Zuwanderer verspricht noch Überraschungen, denn auch heute weiß keiner genau, wer sie sind oder in ihrer Heimat waren. Bei einer Bevölkerung mit einem „Hang zur Panik“ würde es doch eine solche Gelassenheit nicht geben, oder?

Aber zurück von der Gelassenheit zu den Gefahren. Also, Herr Prof. Dr. Gigerenzer, was ist ebenso gefährlich, wie der böse, böse Diesel?

„Ich finde die vergleichende Frage am nützlichsten: Wie viel Feinstaub verursacht der Diesel im Vergleich zu anderen Dingen, die man täglich benutzt? Eine Stunde Kaminfeuer entspricht etwa 100 Kilometern Autofahrt. Drei Zigaretten verursachen zehnmal so viel Feinstaub wie ein alter Euro-3-Diesel in einer halben Stunde. Das können wir messen, ohne über die Zahl der Toten zu spekulieren.“

Was kann ein Mensch, der sich zum Verbots-Verantwortlichen berufen fühlt, nun daraus machen? Das Rauchen ist ja schon fast überall verboten. Kaminfeuer zu verbieten, dürfte vergleichsweise einfach sein. Gut, auch manch einflussreicher Gutverdiener aus den Reihen der Bionade-Bourgeoisie hat es sich gern am eigenen Kaminfeuer gemütlich gemacht. In diesen Kreisen ist man es eigentlich gewohnt, dass die für die Durchsetzung der eigenen ideologischen Leitbilder nötigen Opfer von anderen erbracht werden. Aber einmal kann man sich ja wohl auch selbst beteiligen. Zur sozialen Ausgewogenheit lassen sich Lager- und Grillfeuer gleich mit verbieten. Letztere dienen meist ohnehin der Garung klimaschädlichen Fleisches. Gigerenzer hatte eingangs auch darauf hingewiesen, wie gefährlich Kühe sind. Und zumindest die mediale Bekämpfung des Fleischkonsums ist ja ohnehin schon in vollem Gange. Es sind also alle auf dem richtigen Weg.

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