Unser Flüchtling Fares

Seit zwei Jahren sind alle Menschen, die aus Afrika, Arabien und Afghanistan, aus Bangladesh, Pakistan und Indien oder auch vom Balkan und aus Tschetschenien zu uns kommen, unterschiedslos Flüchtlinge. Vorbei war die Zeit, als man neutral von „Ausländern“ und „Migranten“ sprechen konnte. Wer heute noch technokratisch richtig von Asylbewerbern redet, lässt schon so viel Distanz erkennen, dass er in den Verdacht der Fremdenfeindlichkeit geraten kann. Nein, wer sich den Zuwanderern angemessen zugewandt zeigen will, der nennt sie alle „Flüchtlinge“. Denn vor der „Flüchtlingskrise“ war das ja ein positiv besetzter Begriff. Damals war ein Flüchtling, wie das Wort schon sagt, ein Mensch, der vor Verfolgung oder Not fliehen musste und tatsächlich Schutz und Hilfe suchte. Heute wird jeder, wenn er aus den oben aufgezählten Weltgegenden kommt, „Flüchtling“ und gern auch „Schutzsuchender“ genannt. Das klingt nicht nur gut, man fühlt sich auch besser, wenn man einem „Flüchtling“ hilft, ihn aufnimmt und eine Perspektive gibt. Wenn alles „Flüchtlinge“ sind, muss man auch nicht mühsam differenzieren und gar argwöhnen, es könne gefährliche Menschen in der Heerschar muslimischer junger Männer geben.

Deshalb wurde sicher auch der 29-jährige Syrer Fares A. B. von allen Deutschen, die ihn willkommen hießen, „Flüchtling“ genannt. Das war bestimmt ganz praktisch für Fares, denn all die armen „Flüchtlinge“ ließ der deutsche Staat gern auch ohne Papiere kommen und gab ihnen die einmalige Chance, sich neue Identitäten zuzulegen.

Misshandlung von mindestens drei Gefangenen

Ob sich unser Flüchtling Fares dabei zu ungeschickt angestellt hat, wissen wir nicht. Er wurde jetzt jedenfalls von seiner Vergangenheit eingeholt. Die Bundesanwaltschaft hat einen Haftbefehl gegen ihn vollstrecken lassen. Was der Generalbundesanwalt über Flüchtling Fares in seiner Pressemitteilung schreibt, das klingt, als wären die Wohlmeinenden seinerzeit mit Willkommenskultur und Kuscheltierwurf so richtig an den Falschen geraten:

Der Beschuldigte ist dringend verdächtig, als Mitglied der ausländischen terroristischen Vereinigung „Islamischer Staat“ (IS) (§§ 129b Abs. 1 i.V.m. 129a Abs. 1 StGB) Kriegsverbrechen (§ 8 Abs. 1 Nr. 1 und 3 VStGB) sowie eine gefährliche Körperverletzung (§§ 223, 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB) begangen zu haben. Ihm wird darüber hinaus die Mitgliedschaft in der ausländischen terroristischen Vereinigung „Jabhat al-Nusra“ (JaN) vorgeworfen.

In dem Haftbefehl ist im Wesentlichen folgender Sachverhalt dargelegt:

Der Beschuldigte schloss sich 2013 in Syrien der „Jabhat al-Nusra“ an. Im Frühsommer 2014 wechselte er zum sogenannten Islamischen Staat. Er war unter anderem in einem Gefängnis des „IS“ eingesetzt und beteiligte sich dort an der Misshandlung von mindestens drei Gefangenen der Terrororganisation. Zudem misshandelte Fares A. B. gemeinsam mit anderen „IS“-Mitgliedern bei einer Fahrzeugkontrolle den Fahrer eines Pickups. Unter anderem schlug der Beschuldigte seinem Opfer mehrmals mit seinem Maschinengewehr gegen den Kopf. Im Sommer 2014 exekutierte er gemeinsam mit zwei weiteren Mitgliedern des „IS“ einen zuvor von der Terrororganisation Festgenommenen auf einem Dorfplatz in der Provinz Deirezzor. Dem Getöteten war Gotteslästerung vorgeworfen worden. Bei der Exekution gaben der Beschuldigte und seine beiden Kumpane jeweils einen Schuss auf ihr Opfer ab. Anschließend wurde der Leichnam drei Tage auf dem Dorfplatz zur Schau gestellt.

Wie soll ich sie künftig nennen?

Ist Fares nun ein Flüchtling? Natürlich nicht, obwohl man ihn offiziell bestimmt bis zu seiner Verhaftung so genannt hat. Man wusste es nicht besser, oder? Doch! Natürlich werden die, die ihn Flüchtling nannten, nicht über seine Vergangenheit im Bilde gewesen sein. Aber jeder selbstständig denkende Mensch kann wissen, dass es falsch ist, jeden Zuwanderer von vornherein unterschiedslos zum „Flüchtling“ zu verklären, ohne die Frage zu stellen, ob es sich nun um einen Kriegsverbrecher, Mörder, Glücksritter, Einwanderungswilligen oder tatsächlich einen Verfolgten und Notleidenden handelt.

Müsste nicht jedem, der selbst einmal Flüchtling war, derzeit Flüchtling ist oder fürchten muss, Flüchtling zu werden, sowie allen aufrechten Flüchtlingshelfern, daran gelegen sein, das Wort „Flüchtling“ endlich wieder aus dem Würgegriff der Propagandasprache zur Rechtfertigung einer verfehlten Zuwanderungspolitik zu befreien? Kann das Beispiel von Fares nicht wenigstens bewirken, dass wir etwas von der Würde unserer Sprache retten? Ich habe in meinem Umfeld seit langem schon einige Flüchtlinge. Wie soll ich diesen Teil ihrer Identität jetzt und künftig bezeichnen, wenn das Wort für Fares und seine Kampfgefährten verschlissen wurde?

3 Kommentare

  1. Medley

    Sehr interessant wäre es zu erfahren, wie eigentlich der Generalbundesanwalt an diese präzisen Kenntnisse über die Untaten des „Flüchtlings“ Fares A.B. gekommen ist? Polizeiliche Ermittlungen? Ausländischer oder inländischer Geheimdienst? Wie kommen diese Informationen aus dem IS-Gebiet bis nach Berlin? Woher kannten die Tatzeugen seinen Namen, bzw. seine Identität?

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  2. Peter Novak

    Daran sieht man auch die Doppelmoral des Staates.

    Es weiss fast keiner mehr aber schonb kurz nach dem Krieg durften aus den Ostgebieten in den Westen nur Deutsche einreisen die eine „Einladung“ von Verwandten hatten und das obwohl sie ja immer noch Deutsche mit Pass waren und es immer noch Deutschland war(selbst für Polen und Russland).

    Dann galt(auch für Spätaussiedler aus der UDSSR etc).
    Wer an Naziverbrechen beteiligt war durfte nicht einreisen.
    Wer dem Kommunismus Vorschub geleistet hatte durfte nicht einreisen(warum gab der deutsche Staat dann eigentlich PKK Kämpfern Asyl???)-so wurde ein Spätaussiedlerantrag abgelehnt weil der Herr Leiter einer Kolchose war!

    Wer dort wegen normalen Verbrechen gesucht wurde hatte auch kein Recht auf Einreise.

    Nun vergleiche man das mit Nichtdeutschen….

    Auch habe ich mal gelesen das man Afrikadeutschen den Pass verweigerte weil sie angeblich nichts mehr mit Deutschland zu tun haben.Dabei findet man in Namibia(und auch in Kasachstan,Südamerika,Kanada) mehr deutsche Kultur als hier.

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  3. Gabriele Kremmel

    Gerade unter dem Vorzeichen, dass der IS seit Jahren seine Strategie öffentlich äußert, IS-Kämpfer mit den Flüchtlingsströmen nach Europa einzuschleusen ist die Vorgehensweise unserer Bundesregierung und der vorbehaltlose Vertrauensvorschuss gegenüber den Massen von hereinströmenden Männern nicht nur ungerechtfertigt sondern vollkommen verantwortungslos. Insofern wäre Fares als das zu bezeichnen, was er ist: ein feindlicher Krieger, der durch das offene Tor einfach hereinspaziert ist und sich von seinem erklärten Feind alimentieren lässt bis er den Befehl zum zuschlagen erhält.

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