Joghurt mit Kreuz, ohne Kreuz oder lieber mit Halbmond?

Joghurt mit Kreuz bei Aldi, ohne Kreuz bei Lidl und mit Halbmond bei Netto. Das ist – kurz zusammengefasst – der Tip für Verbraucher, die beim Joghurtkauf auch darauf achten, ob sich aus der Verpackung eine Weltanschauung herauslesen lässt, von der man sich belästigt fühlen könnte. Der Kulturkampf erreicht das Kühlregal.

Früher musste man beim Joghurt-Kauf allenfalls darauf achten, ob er auch „bio“ und linksdrehend ist, ob er nicht zu viel Fett enthält und eventuell, ob er auch schmeckt. Doch in diesen Zeiten, in denen Rücksicht auf die zuwandernden Massen aus der muslimischen Welt mit ihrer besonderen Empfindlichkeit in Weltanschauungsfragen zu den ersten deutschen Bürgerpflichten zählt („Wir schaffen das“), ist auch die Joghurtfrage grundsätzlicher.

Da wäre beispielsweise die Herkunft des Joghurts. Kommt er aus Griechenland – immerhin ein beliebtes Herkunftsland für das Molkereiprodukt – dann zieren seine Verpackungen oft die kitschig schönen Bilder von der Insel Santorin: Sonne, Himmel, Meer und malerische Häuser, Kirchenkuppeln und Glockentürme. Ein Traum in blau und weiß. Dummerweise sind auf den Kuppeln und Glockentürmen Kreuze. Jetzt könnte man meinen, dass die auf einem Joghurtbecher niemandem auffallen, weil sie viel zu klein sind und außerdem gehören diese Kreuze zu diesen Kuppeln und Türmen so selbstverständlich, wie selbige zu Griechenland. Wer also eine malerische griechische Altstadt abbilden will, kommt um das Kreuz nicht herum.

Doch so leicht konnte man es sich früher vielleicht noch machen, im Jahr 2017 muss ein Lebensmitteldiscounter schon genauer gucken, ob aus seinem Kühlregal eine Weltanschauung aufscheint, die empfindlichere Kunden stören könnte. Lidl beispielsweise bringt unter der Marke „Eridanous“ griechische Spezialitäten auf den Markt, ob Joghurt, Tsatsiki, Feta oder Mousaka. All diese Produkte sind verpackt in die schönen Bilder aus Santorin, mal als Foto, mal als Grafik, aber auf den Verpackungen ist jedes Kreuz wegretuschiert.

Was wird aus dem Christstollen?

In Deutschland ist das bislang niemandem aufgefallen, zumindest wurde es nicht öffentlich bekannt. In Belgien dagegen gab es Beschwerden über die kreuzfreien griechischen Produkte.

Die belgische Nachrichtenplattform „RTL Info“ berichtete zuerst über den Fall, erst dann zogen deutsche Medien nach.. Ein Sprecher von Lidl Belgien erklärte: „Wir vermeiden grundsätzlich den Gebrauch von religiösen Symbolen. Damit wollen wir unsere Neutralität unterstreichen.“

Haben dann nach dieser Vorgabe auch die Hersteller anderer Lebensmittel nur noch eine Chance, gelistet zu werden, wenn ihre Produkte weltanschaulich neutral verpackt sind? Wird Lidl den Christstollen verbannen oder nur unter anderem Namen zulassen? Und hat diese Förderung gesinnungssensibler Produktpräsentation ohne politische Hilfe Bestand? Es gibt tatsächlich Discounter, die griechischen Joghurt verpackt in die beschriebenen schönen Kuppelbilder mitsamt ihren Kreuzen darauf verkaufen. Aldi beispielsweise duldet diese nach Auffassung von Lidls Verpackungsgestaltern für empfindsame Muslime offenbar unerträglichen Kreuze noch auf dem Joghurtbecher. Wer kreuzfrei einkaufen möchte, weiß nun, dass er sich eher für Lidl als für Aldi entscheiden sollte. Derzeit können es allein die Kunden  beeinflussen, ob sich die weltanschauliche Verpackungsneutralität lohnt, denn der Handel mit Joghurt, dessen Verpackung Spuren von Kreuzen enthalten kann, ist legal.

Wer den Joghurtkauf gern mit einer weltanschaulichen Entscheidung verbinden möchte, dem sei an dieser Stelle der Vollständigkeit halber noch die Berücksichtigung von Netto empfohlen. Dort zieren ein Minarett und ein kleiner Halbmond die Verpackung von Ömur-Joghurt. Bedarf diese weltanschauliche Vielfalt im Kühlregal nun einer Neutralitätsregel? Verlangt eine angemessene Rücksicht auf Muslime nicht eine amtliche Kennzeichnung von Halal-Produkten sowie die warnende Kennzeichnung „unreiner“ Waren? Der deutsche Verbraucherschutz hat sich auf die neue deutsche Gesellschaft noch nicht hinreichend eingestellt.

4 Kommentare

  1. Rudolf Best

    Bei Lidl werden auf den Packungen von gekochtem Schinken mittlerweile samt und sonders alle Konsumenten dieser Produkte pauschal als Schweine tituliert. Anders kann ich mir das dort aufgedruckte und durch keine einziges erklärendes Wort ergänzte Schweinepiktogramm nicht erklären. Das nenne ich wahrhaft muselmanisch und analphabetisch gedacht. Bravo Lidl, wer da noch hingeht, ist selber Schuld.

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  2. Karl

    Nach dieser wieder mal, hm, kuriosen Nachricht habe ich gleich einmal Einkauf mit Recherche verbunden: auf zur Berliner Brunnenstraße, zum ins Gerede gekommenen Lebensmittelmarkt.
    Auf dem Weg dorthin ein wenig Lokalkolorit (no pun intended):
    ihre Kinderschar im Schlepptau, eine krege berlinernde Konvertitin – die Verschleierung gab mir zumindest den Eindruck; ein langbärtiger junger Mann mit Gebetsmütze, Pluderhose und Schlappen; eine arabischsprachige Dame (sie wählte neben einer Verschleierung auch noch Handschuhe, Mantel und schwarze Socken, sicher ist sicher), sowie ein weiterer vermutlich Strenggläubiger in erwähnter Gewandung – diese Leute sind meinen türkischen und iranischen Bekannten übrigens höchst suspekt – ah!
    (Disclaimer, scheint ja heutzutage nötig zu sein: natürlich unterstelle ich nicht jedem einzelnen eine die Rechtsordnung gefährdende Gesinnung, dann könnte ich auch nicht meine Arbeit machen (Deutschunterricht in Integrationskursen) – aber gerade meine Erfahrungen aus diesen Kursen zeigt, wie unfrei auch eine „nur“ konservative Religionsauffassung v.a. die Frauen machen kann (einige der aus Irak und Syrien geflohenen Frauen trugen in ihrer Heimat kein Kopftuch, nun aber doch (es sei ja sonst „haram“), einige dieser Frauen wohnen im Frauenhaus, da sie „Probleme“ mit ihren Männern haben, einige dieser Frauen fühlen sich bedroht im Wohnheim, da sie sich nicht der muslimischen Kleiderordnung unterwerfen wollen – von Bedrängnissen, denen irakische, eritreische usw. Christen ausgesetzt sind, ganz zu schweigen.)
    Im Markt äußert sich die Kassiererin: „Das haben sich die Designer ausgedacht.“, „Ist doch nur Werbung.“,“Ich bin griechisch-orthodox.“, „Es gibt auch orientalische Waren bei uns.“. Ah. Um sicher zu sein, fragte ich noch einmal nach, ob denn eine mögliche Konversion ihrerseits – mit Verschleierungsfolgen – eine Tätigkeit an der Kasse verhindern würde – „Nein“. Ah.
    Herrn de Maizière konnte man übrigens auch schon beim Einkaufen im Kiez (Berlin Mitte) beobachten, zwei gepanzerte Limousinen parkten diskret den Laden zu.

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  3. xandru

    Was mich seit Jahren am meisten stört, ist der Kotau vor Analphabeten. Diese Gruppe muss man doch nicht durch die Abbildung von Tieren auf der Lebensmittelverpackung auch noch bestärken. Wer nicht lesen kann, ist in unserem Lande schlicht fehl am Platz!

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  4. beat schaller

    Klar, dass ich bei Lidl nicht mehr einkaufen werde! Mehr zu sagen wäre schade für jedes Wort
    beat schaller

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