Warum musste Lica sterben?

Wenn sich das Thema Zuwanderung in diesem Wahlkampf wirklich nicht umgehen lässt und es dem jeweiligen Wahlkämpfer darum geht, Entschlossenheit zu simulieren, dann wird gern versprochen, dass künftig abgelehnte und straffällig gewordene Asylbewerber konsequenter abgeschoben würden. Konkreter wird es dann meist nicht, was ja angesichts der in der Realität sinkenden Abschiebe-Zahlen auch nur zu verständlich ist. Lange hält der Vorsatz ohnehin nicht: Sobald es um den Einsatz böser Zwangsmittel wie die Abschiebehaft geht, ist es mit der Konsequenz schnell vorbei. Das möchte man abgelehnten Asylbewerbern nicht antun, sind doch in der mehrheitlich gepflegten Mediensprache alle Zuwanderer heutzutage „Flüchtlinge“ und „Schutzsuchende“. Und so hat die Abschiebehaft in der veröffentlichten Meinung nahezu flächendeckend ein ganz schlechtes Image. „Flüchtlinge“ kann man doch nicht einsperren, nur weil der hartherzige Staat ihnen gegenüber geltendes Recht durchsetzen möchte. Solcher öffentlichen Empathie dürfen sich Einheimische, denen wegen etwaiger Zahlungsverweigerung von Bußgeldern Erzwingungshaft droht, nicht erfreuen. Aber dieser Gedanke hilft Verantwortungsträgern vor Ort wenig, wenn sie im konkreten Fall darüber nachsinnen, ob sie den Ärger riskieren sollen, den sie bekommen können, wenn sie Abschiebehaft beantragen. So können Ausreisepflichtige zumeist noch längere Zeit, vom Staat alimentiert, das Leben in Deutschland genießen.

Nur manchmal kommt die Frage auf, warum dieser oder jener abgelehnte Asylbewerber noch hier ist und warum nicht mehr getan wurde, um seine Heimreise zu erzwingen. Aber das passiert nur, wenn ein Mann, der schon heimgekehrt sein sollte, einen oder mehrere Menschen umbringt. Anis Amri war so ein Fall. Da es sich um einen aufsehenerregenden Terroranschlag handelte, konnten die Verantwortungsträger dieser Frage schlecht ausweichen.

Ob sich jemand dafür rechtfertigen muss, dass der 21-jährige Souleymane aus Mali noch im Lande weilt, ist fraglich. Sein Asylantrag war schon nach drei Monaten abgelehnt worden, doch abgeschoben wurde der Mann nicht. So hatte er die Gelegenheit die rumänische Prostituierte Lica nach dem Sex umzubringen, um sie zu berauben. Die Bild-Zeitung hat jetzt zwar überregional über den Fall berichtet, doch viel mehr öffentliche Aufmerksamkeit wird es vermutlich nicht geben. Niemand wird anklagend öffentlich fragen: Warum musste Lica sterben?

Auf der einen Seite passt ein Täter wie Souleymane ja vollkommen ins AfD-Weltbild und das ist ja bekanntlich verachtenswert. Andererseits ist ein Opfer wie Lica den einen nicht genug gesinnungsrelevant und deshalb gleichgültig, für andere ist eine rumänische Prostituierte einfach keine Frau, für die sie Mitgefühl entwickeln mögen. Deshalb wird die Frage, warum Licas Mörder hier noch einen Mord begehen konnte, schnell vergessen sein. Für die meisten Deutschen auf beiden Seiten der in der Zuwanderungsfrage tief gespaltenen Gesellschaft hat es ja wenig mit der eigenen Lebenswelt zu tun, wenn ein Mann aus Mali eine rumänische Prostituierte umbringt. Sie haben ja in der Vergangenheit oft auch die zahlreichen Gewalttaten, die Zuwanderer untereinander in den Asylbewerberunterkünften verübten, weitgehend ignoriert. Doch diese Gewalt bleibt nicht in den Unterkünften.

Auch Souleymane war schon wegen Körperverletzungsdelikten im Asylheim aufgefallen, doch Folgen hatte das nicht für ihn. Vielleicht hat er das fatalerweise auch als Signal verstanden. Fatal für Lica.

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.