Menschen „mit deutscher Spezifik“ werden nichts zu lachen haben

FUNDSTÜCK:

Jens Jessen erklärt den Deutschen in der ZEIT, wie rückwärtsgewandt sie sind, wenn sie beispielsweise darauf bestehen, dass hier arbeitende Menschen mit Kundenkontakten der deutschen Sprache mächtig sein sollten:

Deutschland internationalisiert sich – willentlich durch seine Wirtschaft, unwillentlich durch Zuwanderung –, und diese Internationalisierung hat ihren Preis. Sie relativiert eigene Gewohnheiten, eigene Traditionen und, am bittersten, Gewicht und Bedeutung der Sprache. Für Junge, gut Ausgebildete – vor allem in global gefragten Disziplinen gut Ausgebildete – liegen darin große Chancen, unter anderem auch die Chance, den Lasten deutscher Identität zu entkommen und sich frisch und unbeschwert in der ganzen freien Welt zu tummeln. Für diese bedeutet ein Weniger an Identität, vor allem ein Weniger an deutscher Identität, keinen Grund zum Kummer, sondern eher ein Mehr an Lebensfreude und Entfaltungsmöglichkeiten.

Für viele andere, weniger Junge, weniger Gebildete oder allzu speziell deutsch und alteuropäisch Gebildete, dämmert dagegen am Horizont der Abstieg in die Bedeutungslosigkeit, mindestens Arbeitslosigkeit. Sie werden mit ihrer deutschen Spezifik bald nichts mehr zu beißen, schon gar nichts zu lachen oder mitzureden haben.

Pech für die nicht oder falsch Gebildeten. Den Abschied von der deutschen Sprache hatte vor Jahren auch der heutige EU-Kommissar Günther Oettinger empfohlen und eine legendäre Vorstellung als polyglottes Vorbild gegeben.

Mehr hier: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-09/angela-merkel-finsterwalde-wahlkampf-demonstranten-brief/komplettansicht

1 Kommentar

  1. R.J.

    Vielen Dank. Herrlich ist die Passage über „die Chance, den Lasten deutscher Identität zu entkommen“. Unter den jungen Leuten, die ich kenne und die Naturwissenschaften, Ingenieurswissenschaften oder Medizin studieren oder studiert haben, wüsste ich niemanden, der mit „Lasten deutscher Identität“ ein Problem hätte. Das hat man vorzugsweise in den Milieus des Herrn Jessen, Vorname Jens, in denen es gerne um irgendwas mit Medien, Gender, Sozial, Engagement, Klima, Volkserziehung, ZEITismus usf. geht, kurzum um autoerotische geistig-moralische Entfaltungsmöglichkeiten und Domina-Lebensfreude. In dieser hochproduktiven Leere werden allerdings derartige Lasten bemerkbar, denn noch das Kleinste erhält nun Gewicht. Dass in Zukunft exakt die Besitzer neudeutscher Pseudo-Bildung, vor allem die Mengen von „Irgendwieundwasmitmediensozialwissenschaftlern“, welche die Universitäten auswerfen, zum Heer der Arbeitslosen gehören könnten – das sei geschenkt. Vielleicht findet man für sie unzählige Planstellen als Politkommissar*innen. Das würde auch zur laufenden kulturellen Bereicherung passen und wäre ein Analogon der stark besetzten Mönchsklasse des Mittelalters, die den arbeitenden Pöbel mores lehrte. Wenn schon Rückkehr des Alten, dann bitte überall. Es ist schön zu sehen, dass Herr Jessen noch aktiv ist, und zwar genau in dem hochwertigen Presseerzeugnis, in das er gehört.

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