Warum nicht einfach ehrlich sein?

FUNDSTÜCK:

Malte Lehming machte auf ein interessantes Detail in der gefeierten Feiertagsrede des Bundespräsidenten aufmerksam:

Die Rede von Frank-Walter Steinmeier zum Einheitsfeiertag enthielt eine zentrale Passage, die mit der Forderung beginnt: „Wir müssen uns ehrlich machen.“ Es geht um Flucht und Migration. Steinmeier will, dass unterschieden wird zwischen politisch Verfolgten und Armutsflüchtlingen. Er will außerdem, dass es eine legale Zuwanderung nach Deutschland gibt. Die Redewendung „müssen uns ehrlich machen“ wiederholt er in demselben Absatz noch zweimal.

Warum sagt Steinmeier nicht: „Wir müssen ehrlich sein“ – oder: „Das muss auf die Tagesordnung“? Klare Sache, klare Sprache. Nein, er formuliert anders. „Wir müssen ehrlich sein“ hätte bedeutet, dass wir bisher gelogen haben. Ein schwerer Vorwurf. „Das muss auf die Tagesordnung“ hätte bedeutet, dass das Problem ignoriert wurde. Auch das klingt hart. Dagegen erlaubt die etwas gekünstelte Floskel „Wir müssen uns ehrlich machen“ die Suggestion, eine Gesellschaft könne sich nachträglich in einen ehrenhaften Zustand versetzen, ohne über den vorherigen unehrenhaften Zustand sprechen zu müssen.

Mehr hier: http://www.tagesspiegel.de/kultur/steinmeiers-rede-zum-tag-der-einheit-wir-muessen-uns-ehrlich-machen-ach-ja/20411672.html

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