Wiederholte Feiertagspolitik für Muslime

Christian Ströbele hat bekanntlich den Bundestag verlassen. Ein grünes Urgestein, ein sich bis ins hohe Alter unangepasst gebender Linker, der erste Grüne, der ein Direktmandat gewann und der mit seiner einmaligen Art dem hohen Hause fehlen würde – so in etwa lauteten die Nachrufe auf die Parlamentszeit des alten Herrn. Offenbar fehlt er manchem so sehr, dass er alte Ströbele-Vorschläge recyceln muss. Es ist allerdings schon ein Zeichen des Zeitenwandels, wenn es ein CDU-Innenminister ist, der einst vergeblich vorgebrachte Ideen des linken Grünen nun wieder aufwärmt.

Es war im Jahre 2004, da sorgte Ströbele mit seinem Vorschlag, in Deutschland einen muslimischen Feiertag einzuführen, für viel Aufregung.

Bundeskanzler Gerhard Schröder bezeichnete das Ansinnen damals umgehend als „absurd“. Der seinerzeitige grüne Bundesumweltminister Jürgen Trittin  stellte klar, er habe sich der Forderung nicht angeschlossen. Die Generalsekretäre von CDU und FDP, Laurenz Meyer und Cornelia Pieper, warfen Ströbele eine Provokation vor. CSU-Innenexperte Wolfgang Zeitlmann warf Ströbele vor, dessen Vorschlag ziele offensichtlich auf das Zurückdrängen der christlichen Religion.

Die damalige Vorsitzende des Zuwanderungsrates, Rita Süssmuth (CDU) betonte, die Diskussion sollte sich eher darauf richten, wie die deutsche Gesellschaft mit den Feiertagen der hier lebenden Muslime umgehe. Sie wandte sich zugleich gegen die Forderung der baden-württembergischen Kultusministerin Annette Schavan (CDU), für Predigten in den Moscheen die deutsche Sprache vorzuschreiben, während sich der Grünen-Europaabgeordnete Cem Özdemir dafür aussprach, den Islam-Unterricht in Deutschland zu kontrollieren. Das war die Diskussion im Deutschland des Jahres 2004.

Dreizehn Jahre sind seither vergangen. Ströbele hat den Bundestag gerade verlassen und lässt sich der Bundesinnenminister Thomas de Maiziere mit dem Vorschlag vernehmen, endlich einen muslimischen Feiertag einzuführen. „Ich bin bereit darüber zu reden, ob wir auch mal einen muslimischen Feiertag einführen“, sagte der Minister bei einem Wahlkampfauftritt vor der niedersächsischen Landtagswahl in Wolfenbüttel. Ob er glaubte, ein islamischer Feiertag sei populär oder ob er seinen Wählern gegenüber einfach nur ehrlich sein wollte, bleibt Spekulation. Aber er ist konsequent mit der Feststellung: „Wo es viele Moslems gibt; warum kann man nicht auch mal über einen muslimischen Feiertag reden?“

Das ist nur folgerichtig. Es ist schließlich der Politik der Bundesregierung, der er angehört, zu danken, dass die Zahl der Muslime in Deutschland binnen kurzer Zeit in einem Millionenschritt gestiegen ist und jetzt in schnellen Hunderttausenderschritten steigt. Und der Innenminister stößt heutzutage auch auf Zustimmung. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland hingegen begrüßt den Vorstoß von de Maizière zur Einführung muslimischer Feiertage. Solche Feiertage wären integrationsfördernd, sagte der Vorsitzende Aiman Mazyek.

Unnötig zu sagen, dass offenbar nur Muslime ihren gesetzlichen Feiertag  brauchen, um das Staatswesen, in dem sie leben, anzuerkennen. Kein Politiker kam bislang auf die Idee, auch Juden, Hindus, Sikhs oder orthodoxen Christen einen eigenen, gesetzlich geschützten freien Tag anzubieten.

2 Kommentare

  1. Rudolf Stein

    ja, die Weltgeschichte in allen Himmelsrichtungen zeigt, dass es prinzipiell immer zwei Möglichkeiten gibt, einer Aggression entgegen zu treten: mit Widerstand oder Anbiederung. Widerstand beginnt im Kopf, mit persönlicher Haltung und mit Charakter. Widerstand erfordert Opfer, vor allem dann, wenn die Staatsmacht ein Teil des Feindes ist. Anbiederung kommt meist im Gewand des Kompromisses und gesellschaftlicher Regeln, von denen behauptet wird, sie dienten der Allgemeinheit, dem gesellschaftlichen Frieden, ja dem Fortschritt in der Völkerverständigung. Anbiederung wird vor allem vonjenen betrieben, die an den Fleischtöpfen der Macht sitzen und diese nicht verlieren wollen. Auf sie trifft Churchills Bonmot vom Krokodil zu, das von denen gefüttert wird, die hoffen, als letzte gefressen zu werden.

    Antworten
  2. Reiner Wehpunkt

    Es gibt keine gesetzlichen Feiertage für Juden, Hindus, Sikhs oder orthodoxen Christen, weil diese nicht die öffentliche Sicherheit in Deutschland bedrohen.

    Selbstverständlich ist einem de Maiziere bewusst, dass diese feige deutsche Bevölkerung vor solch einer „absurden“ Forderung (Gerhard Schröder) einknicken wird, wie ein Strohhalm im Wind.

    Die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu garantieren, ist eine der Hauptaufgaben des Bundesinnenministers. Mit der Einführung eines islamischen Feiertages kann er das Unausweichliche zumindest eine Zeit lang wieder ein wenig aufschieben.

    Die Substanz ist ja noch nicht ganz aufgebraucht, ein paar Werte zum Preisgeben besitzt Deutschland noch. Wer wohl wird als Erster den deutschen Frauen empfehlen, sich zu verschleiern – selbstverständlich nur aus Solidarität mit von Rechtspopulisten gejagten Gläubigen?

    Also keine Sorge, mit Mutti und Konsorten schaffen wir auch das noch.

    Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.