Gleichheit und Terror

GELESEN:

Gerd Koenen: „Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus.“
C.H. Beck, 1133 Seiten, 38,- Euro.

Aus einer Rezension von Martin Hubert im Deutschlandfunk:

Der Publizist und Historiker Gerd Koenen war in den 70ern Mitglied des Kommunistischen Bundes Westdeutschland. Später schrieb er für ein Frankfurter Sponti-Magazin. In seinen Büchern setzt er sich kritisch mit der linken Bewegung auseinander. Jetzt hat er ein gewaltiges Buch über die Geschichte des Kommunismus vorgelegt: „Die Farbe Rot“.

Die Farbe Rot symbolisiert für ihn dabei leitmotivisch die überzeitliche, ja menschheitsgeschichtliche Dimension des Kommunismus, wenn er schreibt:

„Rot ist die Farbe, die dich mit allen anderen Menschen ‚kommunistisch‘ verbindet. Gerade deshalb ist sie aber auch die Farbe der äußersten Gegensätze und der tiefsten Trennungen, Blut bedeutet Leben oder Tod.“ […]

Um die menschheitsgeschichtlichen Wurzeln des Kommunismus freizulegen, untersucht Koenen nicht nur frühe Stammesgesellschaften. Er durchforstet auch die Gemeinschafts-ideen frühchristlicher und chinesischer Religionen, antiker Philosophien, messianischer Bewegungen und literarischer Utopien. Schon hier stößt Koenen immer wieder auf Gegensätze: zwischen dem Traum vom Paradies und rigiden Ordnungsvorstellungen, der Sehnsucht nach Frieden und Harmonie und der Lust zur Erziehungsdiktatur. Sein Bericht über die frühen Zeugnisse des kommunistischen Denkens mündet schließlich in eine interessante These.

„Der moderne Kommunismus war der erste theoretisch argumentierende Versuch, diese kulturellen Überlieferungen und die widerstreitenden Triebe und Affekte durch Aufklärung oder Propaganda, durch Erziehung oder Zwang zu filtern und zu selektieren, die einen zu fördern und die anderen zu unterdrücken. Der atheistische Furor, die utopischen Beschwörungen eines ’neuen Menschen‘ in den formativen Jahren des Bolschewismus oder der bilderstürmerische Kampf der chinesischen Roten Garden waren Ausdruck dieses im Wortsinn totalitären Gestaltungsanspruchs, der keineswegs nur durch Gewalt funktionierte.“

Die zitierte Rezension finden Sie hier: http://www.deutschlandfunk.de/kommunismus-eine-geschichte-von-gleichheit-und-terror.1310.de.html?dram:article_id=398584

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