Minijobber sichten Kinderpornos für die Polizei?

Wer zu Hause auf seinem Computer Kinderpornos schaut, ist normalerweise ein Straftäter. Vielleicht ist es aber auch ein zufälliger Minijobber in Heimarbeit für ein privates Dienstleistungsunternehmen, das die strafbaren Filme und Bilder im Auftrag der Polizei sichten soll. Die Privatisierung hoheitlicher Aufgaben treibt zuweilen seltsame Blüten.

Wenn es nicht um ein so ekelhaftes Geschäft mit Kindesmissbrauch ginge, wäre es eine Posse, was der Bayerische Rundfunk (BR) aus Augsburg berichtet: Ein Unternehmen sucht mit einer Stellenanzeige eine Bürokraft für so genannte „IT-Forensik“, als Minijobber, teils in Heimarbeit. Interessenten fragen nach und bekommen die Antwort, dass sie Kinderpornos auswerten sollen. Sie sind schockiert und zeigen den Fall bei der Polizei an, nicht wissend, dass die der Auftraggeber ist.

Die Auswertung von beschlagnahmten Datenträgern wird regelmäßig in private Hände gegeben, denn die Behörden selbst wären oft mit den sichergestellten Datenmengen überlastet. Dass aber Minijobber in Heimarbeit tätig werden, dürfte sich kaum mit den gängigen Sicherheitsstandards vertragen. Der BR zitiert eine Firma, die schon seit Jahren die Behörden bei Ermittlungen unterstützt, das Unternehmen „Fast Detect“ in München. Dort hält man es beispielsweise für unabdingbar, dass die Rechner, auf denen ausgewertet wird, physisch vom Internet getrennt sind. Solche „Stand-Alone-Rechner“ sind weder über Kabel noch über WLAN mit dem Internet verbunden. Nur so sei garantiert, dass weder jemand von außen Zugriff auf das kinderpornografische Material bekomme, noch das jemand etwas vom Rechner aus versendet. Wie will man das in Privatwohnungen von Minijobbern garantieren?

Außerdem: Die Einhaltung von Regeln zu kontrollieren, damit ist die Polizei vielerorts doch auch überfordert. Und das ist nicht despektierlich gegen die Polizisten gemeint, im Gegenteil. Die Polizei ist in der Tat in weiten Teilen Deutschlands vollkommen überlastet und zusätzlich aufgrund oft mangelhafter Ausstattung an Personen und Material nicht immer in der Lage, alle ihre Aufgaben zu erfüllen.

Manche Bundesländer haben deshalb mittlerweile oberflächlich geschulte Hilfspolizisten in Uniformen gesteckt, weil es an ordentlich ausgebildeten Polizeibeamten fehlt. Das ist möglicherweise nur ein erster inkonsequenter Schritt. Vielleicht sollte man weitere Polizeiaufgaben privatisieren. Minijobber sind doch bestimmt sehr vielseitig.

1 Kommentar

  1. dentix07

    Darf die Polizei in solchen Fällen eigentlich überhaupt „outsourcen“? Wenn ich mich recht erinnere sind die Vorschriften und das Gesetz da sehr rigide, selbst der Polizist der die Daten (Bilder, Filme) sichtet darf das nur aufgrund einer Ausnahmeregelung und seines besonderen Dienstverhältnisses!
    Solche Daten an private Unternehmen zu übergeben erfüllt, soweit ich weiß, den Straftatbestand der Verbreitung von KiPo! Die Angestellten des Unternehmens, Minijobber oder nicht, sind Angestellte des Unternehmens und keine Polizisten! Es gibt ja wohl schon Probleme wenn der Anwalt des Beschuldigten, der die Akte mitsamt den Daten auch nur aufgrund seiner besonderen Stellung im Rechtssystem sehen darf, diese dem Angeklagten zeigt! Das wäre doch ziemlich merkwürdig, wenn der Angeklagte seine eigene Akte höchstens im Beisein seines Anwalts – keinesfalls zum gründlichen Studium mit nach Hause nehmen – sehen darf, aber irgendwelche, möglicherweise sogar nur Teilzeit- oder Leihmitarbeiter einer beauftragten Firma, diese anstandslos in Heimarbeit sichten dürfen sollen! Der Hund der hier bellt, ist nicht nur die Überlastung der Polizei, sondern eigentlich von der Polizei – von der Politik zu verantwortende – begangener Gesetzesverstoß!

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