Werden mehr Moscheen oder Kirchen attackiert?

willeha

Islamfeindliche Straftaten sollen künftig extra erfasst werden. In Nordrhein-Westfalen ist das schon vom Landtag beschlossen. Für das restliche Deutschland fordern Islamverbände eine vergleichbare Praxis, denn die ansteigende Islamophobie müsse stärker bekämpft werden. Anlass war die Nachricht, dass im Jahr 2013 die Zahl der Übergriffe auf Moscheen auf 36 gestiegen ist. Weitgehend ignoriert wird hingegen die Zahl der Angriffe und Anschläge auf Kirchen in Deutschland. Das waren im gleichen Zeitraum mindestens 71, also fast doppelt so viele. Eine Kirche, die Willehadi-Kirche in Garbsen bei Hannover wurde vor einem Jahr sogar niedergebrannt.

Die Meldung lief durch fast alle Nachrichten: Die Zahl von Übergriffen auf Moscheen sei stark angestiegen. Hatte es bis 2011 im Jahr durchschnittlich 22 entsprechende Vorfälle gegeben, waren es im Jahr 2013 schon 36. Die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion brachte diese Zahlen zu Tage. Ulla Jelpke, die innenpolitische Sprecherin der Fraktion, forderte als Konsequenz, dass umgehend eine exakte statistische Erfassung islamfeindlicher Straftaten nötig sei. Der Vorsitzende des „Zentralrats der Muslime“, Ayman Mazyek, forderte, dass die Länder eigene Ressorts schaffen müssten, um derartige Tatbestände genau zu erfassen und zu beobachten. Immerhin, über Nordrhein-Westfalen konnte sich Mazyek schon freuen: Dort beschloss der Landtag, dass anti-muslimisch motivierte Straftaten künftig gesondert registriert werden müssen. Die Bedrohung durch die Islamfeindlichkeit solle so deutlich erkennbar werden. Allein die 36 Übergriffe auf Moscheen sind für Mazyek ein Zeichen für die Zunahme anti-muslimischer Ressentiments.

Wofür ist dann die doppelt so hohe Zahl an Kirchenschändungen in Deutschland ein Zeichen? Die Frage stellt leider keiner. Allein die Zahl ist keine offizielle, sondern wurde aus verfügbaren Pressemeldungen und Polizeiberichten zusammengetragen (siehe hier). Sie könnte mithin auch höher liegen. Selbst spektakuläre Fälle, wie das Niederbrennen der Willehadi-Kirche in Garbsen, finden kaum überregionale Beachtung. Und über Christen- oder Kirchenfeindlichkeit, die dadurch zum Ausdruck kommen könnte, wird ebenso selten laut nachgedacht.

Nur dann, wenn tatsächlich über Täter oder Tatverdächtige „mit Migrationshintergrund“ gesprochen wird, machen sich die Beteiligten Gedanken. Allerdings vor allem darüber, wie man verhindern kann, dass eine solche Nachricht Fremdenfeindlichkeit verstärkt.

Natürlich haben in etlichen Fällen der 71 Übergriffe auf Kirchen die Täter keinen „Migrationshintergrund“ und sind auch keine Muslime, wie auch in etlichen der 36 Übergriffe auf Moscheen die Täter keine Deutschen mit fremdenfeindlichen Motiven sind. Auch hier kann es geistlosen Vandalismus geben oder um andere politische, ethnische oder Konflikte der Glaubensausrichtung im Islam gehen.

Stattdessen übernehmen viele Verantwortungsträger gern die Interpretation von der steigenden Islamfeindlichkeit. Das rückt das politisch-korrekte Weltbild wieder gerade, denn das hatte unter den antisemitischen Ausfällen auf Gaza-Demonstrationen oder dem Mordaufrufen eines Imams gegen Juden in einer Berliner Moschee etwas gelitten.

Aber schnell wurde die daraufhin hier und da aufkeimende Islamkritik wieder relativiert. Sogar der Chefredakteur der Bild-Zeitung hat sich eigens für einen islamkritischen Kommentar entschuldigt. Nach einer vorherigen freiwilligen Entschuldigung im Blatt wird man wahrscheinlich lange suchen müssen. Insofern kam die Meldung von den 36 Übergriffen auf Moscheen zum richtigen Zeitpunkt.

Natürlich gibt es tatsächlich Übergriffe und werden auch Muslime Opfer, die Unterstützung verdienen. Nur die Forderung nach eigenen Gruppenprivilegien macht dann doch stutzig. Vor allem, wenn andere Opfergruppen als solche ignoriert werden, weil sie keine so aggressive und schnell beleidigte Lobby haben. Stephan Friedrichs

 

 

 

5 Kommentare

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  3. Tommy Bishop

    #„Islam-Hasser“. Es gibt jede Menge Gründe dafür, auch wenn es nicht politisch korrekt ist! Wer den IS hasst und bekämpft kann kein schlechter Mensch sein – und ja, der IS hat mit dem Islam zu tun, genau wie die Salafisten und Al Qaida…

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  5. Daniel Arnolds

    Na endlich jemand, der es schafft die Bedenken vieler wirklich liberaler Menschen zum Ausdruck zu bringen und sich dabei trotzdem explizit von tatsächlichen „Islam-Hassern“ zu distanzieren.
    Ein sehr richtiger und fairer Artikel, den unsere verrückten Politiker jedweder Couleur gelesen haben sollten, wenn sie das Thema und die Meinung der Mehrheit im Lande dazu interessiert.

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