Messerstecher gibt es nicht nur in Altena

Der Bürgermeister von Altena, bekannt für seine Aufnahmebereitschaft von Asylbewerbern, ist Opfer einer feigen und verurteilenswerten Messerattacke geworden. Die öffentliche Empörung ist groß. Zur selben Zeit starb mindestens ein Mensch durch Messerstecher, vier wurden schwer verletzt. Öffentliche Empörung gibt es nicht. Warum nicht? Nehmen wir den zu Recht allseits vernehmlich verurteilten Anschlag auf Altenas Bürgermeister zum Anlass, an nicht so bekannte Fälle zu erinnern, die quasi zeitgleich passierten.

Der Bürgermeister von Altena ist von einem Messerstecher angegriffen geworden. Der Christdemokrat erlangte zu Zeiten der „Willkommenskultur“  bundesweite Bekanntheit. Während sich andere Bürgermeister und Landräte beschwerten, dass sie die ihnen zugewiesenen Asylbewerber nicht mehr unterbringen könnten, bot Altenas Stadtoberhaupt an, mehr Zuwanderer aufzunehmen, als er musste.

Nun wurde er niedergestochen. Die Medien berichteten schnell, dass der Täter ein Deutscher war, der bei der Tat mit Äußerungen gegen die Zuwanderungspolitik aufgefallen sein soll. Diese Messerattacke ist eine verachtenswerte Tat, die all die Verurteilungen von Regierungsmitgliedern verschiedener Couleur aus Bund und Land selbstverständlich verdient.

Noch glaubwürdiger wären diese Verurteilungen, wenn es die gleiche Empathie auch für all die Opfer von Messerattacken gäbe, deren Zahl in den letzten Jahren so enorm zugenommen hat. Mindestens ein Toter und vier Schwerverletzte durch Messerangriffe waren zeitgleich mit dem Bürgermeister zu betrauern. Doch ihrer nimmt sich kein Minister an. Warum gibt es diese selektive Wahrnehmung? Weil nur die Opfer der „richtigen“ Täter hinreichend Würdigung erfahren dürfen? Solche Taten sollten jedoch Anlass sein, die Opfer von Messerstechereien grundsätzlich angemessen wahrzunehmen. Deshalb hier nur ein kurzer Blick auf ein paar zufällig entdeckte Fälle, bei denen quasi zeitgleich zum Messerangriff auf den Altenaer Bürgermeister in Deutschland auf Menschen eingestochen wurde:

Oberhausen

Kurz vor zwei Uhr nachts geht der Notruf vom Busbahnhof Lipperfeld bei der Leitstelle ein. Die Rettungskräfte finden zwei schwer verletzte Männer auf der Fahrspur, sie bluten aus tiefen Wunden.

Noch in der Nacht verlieren Ärzte im Krankenhaus den den Kampf um das Leben des einen Patienten (28).

Die beiden Verletzten bluteten aus tiefen Wunden sie sollen mit Messern angegriffen worden sein, als sie auf dem Boden lagen

Polizei-Pressesprecher Ulrich Faßbender: „Das Opfer ist etwa drei Stunden nach der Tat verstorben. Wir haben eine Mordkommission eingesetzt.“

Die tödliche Auseinandersetzung begann mit Streit im Linienbus. Offenbar will sich eine Clique nach einer Party in der Turbinenhalle auf den Heimweg machen. Aber schon kurz nach dem Einsteigen gibt es Stress.

Faßbender: „Nach Besteigen des Busses durch diese Gruppe kam es im Bus zu Streitereien mit drei südländisch aussehenden männlichen Personen, die bereits im Bus saßen. Es kam zu körperlichen Auseinandersetzungen.“

Die drei Verdächtigen sind inzwischen gefasst. In den Pressemeldungen ist nur noch von „Bottropern“ die Rede. In einer Meldung heißt es dazu:

Inzwischen hat die Polizei Essen drei Tatverdächtige festgenommen. […] Deshalb haben wir die Täterbeschreibung aus diesem Text entfernt.

Meiningen

Ein schwerwiegender Vorfall ereignete sich am Wochenende in einer Asylunterkunft in Südthüringen.

Wie die Polizei am Montag mitteilte, ereignete sich der Vorfall bereits am Samstagabend. Nach einem Streit begab sich einer 18-jähriger Afghane zum Büro des Sicherheitsdienstes. Erneut fing der junge Mann einen Streit mit einem der Mitarbeiter an. Plötzlich zog er ein Messer und stach mehrmals auf den 36-Jährigen ein.

Der Schwerverletzte konnte sich im letzten Moment in einem Raum in Sicherheit bringen. Als der junge Afghane versuchte die Tür aufzubrechen, wurde er von mehreren Heimbewohnern zurückgehalten. Er flüchtete aus Unterkunft.

Einige Stunden später stellte er sich der Polizei selber. Nun wird gegen den Mann wegen versuchten Totschlags ermittelt. Die Staatsanwaltschaft beantragte Haftbefehl.

Auch in Rudolstadt (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt) kam es zu einem Vorfall. Nachdem Beamte einen 15-jährigen nach einem Streit festnahmen, stürmte plötzlich ein Landsmann auf ihn zu und attackierte ihn mit einem Messer.

Der Angreifer sitzt wegen versuchtem Mord derzeit in Untersuchungshaft.

Hannover

Nach der Messerattacke in der Diskothek Ludwig konnte ein Opfer (43) die Klinik wieder verlassen. Sein Bruder (40), der ebenfalls verletzt wurde, muss noch weiter stationär behandelt werden.

Bei der „Greek Night“ am Sonntagmorgen in der Rundestraße bekamen die Brüder Streit mit zwei Südländern (ca. 30) die zogen Messer, stachen auf beide ein. Danach flüchteten sie in einem BMW.

Marburg:

Ein Jugendlicher ist in der Marburger Innenstadt niedergestochen worden.

Der 16-Jährige wurde nach Angaben der Polizei vom Montag mit einer tiefen Wunde am Bein in ein Krankenhaus gebracht.

Nach ersten Ermittlungen der Polizei war er an einer Massenschlägerei beteiligt. „Wir gehen davon aus, dass es zuvor ein Handgemenge gegeben hat“, sagte ein Sprecher der Behörde.

Zeugen hatten in der Nacht zum Samstag eine Schlägerei mit 20 bis 30 Menschen gemeldet. Als eine Streife eintraf, sah sie nur noch, wie mehrere Menschen wegliefen.

Ein 15-Jähriger aus der Gruppe wurde gefasst und festgenommen. Die Hintergründe der Auseinandersetzung und die Anzahl der Beteiligten waren zunächst völlig unklar.

Schwerin:

Ein junger Mann in Schwerin wurde in eine Wohnung gelockt, dort mit einem Messer bedroht und ausgeraubt. Die Polizei nahm anschließend zwei 18-jährige syrische Tatverdächtige in der Wohnung fest.

Halle (Saale):

Ein unbekannter Täter hat am Montag gegen 13 Uhr einen 11-Jährigen in der Bugenhagen-Straße in Halle beraubt.

Der Junge war laut Polizeiangaben auf dem Heimweg von der Schule, als ein Radfahrer auf ihn zufuhr,  ihn mit den Messer bedrohte und sein Handy forderte.

Nachdem der Junge das Handy übergeben hatte, suchte er sich Hilfe bei einer Frau, die die Polizei verständigte. Der Täter flüchtete, eine Suche blieb erfolglos.

Münster:

Ein randalierender Fahrgast hat am frühen Freitagabend Bahnreisende mit dem Messer bedroht. Die Zugbegleiterin in der Regionalbahn 50 zwischen Dortmund und Münster hatte gegen 18.30 Uhr die Bahnpolizei in Münster informiert, dass sich ein randalierender Reisender im Zug befindet. Laut Zeugenaussagen soll der Mann Reisende im Zug mit einem Messer bedroht haben.

Zudem habe er im Zug eine Frau geschlagen, schreibt die Bundespolizei in einer Mitteilung.

Bei Eintreffen des Zuges im Hauptbahnhof Münster konnte der 38-jährige Deutsche durch Einsatzkräfte der Bundespolizei am Bahnsteig gestellt werden. Bei der sofortigen Durchsuchung wurden drei Messer griffbereit aufgefunden und sichergestellt. Anschließend stellte sich heraus, dass der Tatverdächtige zuvor eine verbale Auseinandersetzung mit seiner Lebensgefährtin hatte, die dann eskalierte. Bei der Befragung auf dem Bahnsteig verhielt er sich weiterhin äußerst aggressiv.

Auf dem Weg zur Dienststelle leistete der Mann körperlichen Widerstand. Außerdem versuchte er im Haupttunnel, Reisende anzugreifen.

Wittenberge:

Mit einem Messer bedrohte ein bislang Unbekannter am Sonntag einen 15-Jährigen. Der Mann näherte sich dem Jugendlichen gegen 18.30 Uhr in der Lenzener Straße in Wittenberge in Höhe des Busbahnhofs und forderte die Herausgabe einer Musicbox, die der Junge bei sich trug. Als der Dieb die Box hatte, flüchtete er.

1 Kommentar

  1. R. H.

    Vielen, vielen Dank für Ihren Kommentar. All das, was Sie im ersten Absatz schreiben, ist so richtig! Warum ist diesmal der Aufschrei so groß? Weil das Opfer Politiker ist und nicht gewöhnlicher Bürger? Oder weil der Täter offenbar „echter“ Deutscher ist und man sich da mit dem Verurteilen leichter tut? Oder weil der Täter ganz besonders verachtenswerte Motive hatte? Ich will diese Tat keineswegs kleinreden – beileibe nicht, aber wenn der Täter Moslem oder überhaupt Zuwanderer wäre, stünde wohl schon nach kurzer Zeit fest, daß er „geistig verwirrt“ sein muß.

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