Geschenke folgen auf Geschenke

Die Weihnachtszeit ist in diesem Jahr bekanntlich enorm bereichert worden. Der Stahlpoller und der Betonblock haben in die Dekoration deutscher Weihnachtsmärkte Einzug gehalten. Und kreative Köpfe haben eine neue Aufgabe gefunden: Wie jeder Gebrauchsgegenstand muss auch die Panzer-, nein Entschuldigung, die Lkw-Sperre ein gefälliges Äußeres bekommen.

Auch wenn manche dieser Sperren aussehen, wie in Beton gegossene überdimensionale Lego-Steine, an Spielzeug denkt kaum ein Weihnachtsmarktbesucher bei ihrem Anblick. Deshalb möchten die Stadtoberen allerorten erreichen, dass die Bürger trotz der Barrieren den drohenden islamistischen Terror vergessen können und auch nicht auf den bösen Gedanken kommen, es wäre besser, die Staats- bzw. EU-Grenzen hinreichend zu schützen, als die Sperranlagen in den öffentlichen Raum des Heimatortes zu integrieren.

Also haben sich die kreativen Köpfe Gedanken gemacht. Bochum lässt die Sperren bekanntlich in Geschenkpapier einwickeln, andere Städte haben sich für Geschenkschleifen entschieden. Der Geist der Weihnacht wandelt sich. Vor zwei Jahren sagte uns Katrin Göring-Eckardt, wir bekämen Menschen geschenkt. An Geschenke im Übermaß gewöhnt man sich. In diesem Jahr bekommen wir in Stahl und Beton gegossene Sicherheit geschenkt. Wobei Geschenke den Beschenkten nichts kosten sollten, aber darüber vielleicht an anderer Stelle.

Doch auch dieses Geschenk gibt’s künftig nicht nur zur Weihnachtszeit. Deshalb hat sich Krefeld etwas ganz Besonderes einfallen lassen, wie eine Lokalseite berichtet:

Die Poller, die zurzeit den Krefelder Weihnachtsmarkt vor Angriffen mit Lkw schützen, sind nicht einfach nur graue Sperrelemente: Das Stadtmarketing hat sie gestern mit Plakaten voller Begriffe beklebt, die an die Werte freiheitlicher Demokratien erinnern und Denkanstöße geben.

Wie schön, die westlichen Werte als Verpackung einer Sperre, um einen Platz vor Terroristen zu schützen. Was sind die westlichen Werte auf dem Poller? Freiheit immerhin, aber auch Sicherheit, Toleranz, Würde, Gleichheit, Respekt und Frieden. Für Menschenrechte oder Demokratie war wahrscheinlich nicht genug Platz. Auch „Refugees welcome“ fehlt, wenn man den Fotos trauen darf.

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