Verwahrloste Entwässerung

Das Grundwasser steht zu hoch, die Keller laufen voll, die Bausubstanz von Häusern und Straßen nimmt Schaden und Felder stehen unter Wasser. „Vernässung“ wird dieser Zustand genannt und mehr als ein Viertel der Landesfläche von Sachsen-Anhalt ist von Vernässung bedroht. Die Gründe sind vielfältig. Viele Drainageleitungen und Entwässerungsgräben aus früheren Zeiten wurden in den letzten Jahrzehnten nicht mehr gepflegt. Zudem wird erheblich weniger Grundwasser entnommen. Zum einen ist der Wasserbedarf durch das Sterben vieler Industriebetriebe und die Abwanderung gesunken. Zum anderen wurden Brunnennutzer in den vergangenen Jahrzehnten gedrängt, sich ans Leitungsnetz anzuschließen. Die Wasserkunden am Netz haben wie überall wegen der steigenden Wasserpreise Wasser gespart, obwohl es eigentlich viel zu viel Wasser in der Region gibt. 30 Millionen Euro will das Land Sachsen-Anhalt in den Kampf gegen die Vernässung nun investieren. Nach Jahrzehnten, in denen die steigenden Grundwasserstände kaum mehr als lokale Aufmerksamkeit bekamen, sind sie nun zu einem großen Problem geworden. Ob die 30 Millionen ausreichen ist fraglich, denn vielerorts kann man den genauen Aufwand der Problembehebung bislang nur erahnen. Nicht überall ist es so einfach, wie in der Gemeinde Elsteraue. Um hier das Wasser zu sippen und den Grundwasserpegel wieder auf ein verträgliches Maß zu senken, werden 16 Kilometer Entwässerungsgräben gebraucht. Das sagt ein Gutachten, das aus Fördermitteln des Landes finanziert wurde. Zu 85 Prozent wären es alte Gräben, um die sich lange keiner mehr gekümmert hatte und die nur reaktiviert werden müssten. Für den Ausbau der Gräben könnte die Kommune wieder Landesfördermittel bekommen. Probleme mit Grundstückseigentümern gibt es hier nicht. In anderen Orten ist das nicht ganz so einfach, denn es herrscht große Unsicherheit, was mit Entwässerungsgräben und –rohren ist, die durch private Grundstücke gezogen werden müssen. Welche Kosten kommen da auf Grundstückseigentümer zu? In Köthen sollen von Entwässerungsgräben betroffene Eigentümer nichts zahlen. Doch weiß die Stadt trotz der Fördermittel des Landes nicht, wie sie ihren Eigenanteil finanzieren soll. Der Handlungsbedarf ist enorm, aber schon der Haushalt dieses Jahres wurde von der Kommunalaufsicht kassiert. Dabei darf die Stadt bei der Entwässerung auch nicht an der falschen Stelle sparen. Denn beispielsweise bei Drainagerohren hängt die mögliche Senkung des Grundwasserspiegels auch davon ab, wie tief sie verlegt werden. In Großbadegast ist das Grund- und Niederschlagswasser ein Riesenproblem. Entwässerungsgräben rund um ein ganzes Neubaugebiet sollten erste Abhilfe für die am schwersten Betroffenen bringen. Doch geschehen ist, bis auf die Erarbeitung von Konzepten, noch nichts. Außer der Reaktivierung alter Gräben klingt es für die Betroffenen auch nicht sonderlich konkret. Dass aufgrund des lehmigen Untergrunds das Wasser vielerorts nur schlecht versickert, das wussten schon frühere Generationen, die die heute verfallenen Entwässerungsgräben einst anlegten. Und diejenigen, die in der Vergangenheit genötigt wurden, auf ihre Grundwasserbrunnen zu verzichten, damit sie zahlende Abnehmer der Wasserbetriebe werden, sind besonders sauer. Denn auch eine stärkere Grundwasserentnahme, ein größerer Wasserverbrauch wäre im Kampf gegen die Vernässung hilfreich.

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