Reflektierte Unterwerfung im Unterricht

Zu dem Film des Kinderkanals (KIKA), der – nimmt man alle schönen Schnörkel beiseite – die schrittweise Unterwerfung eines 16-jährigen deutschen Mädchens unter die Regeln ihres muslimischen syrischen Freundes zu einem Beispiel gelungenen Zusammenlebens verklärt, ist in diesem Text von Roger Letsch eigentlich schon alles gesagt worden.

Bekanntlich hat sich der KIKA zwar für die falsche Altersangabe zum syrischen Asylbewerber entschuldigt, aber nicht für den Inhalt des Films. Warum auch, wenn doch hinreichend Persönlichkeiten bereit stehen, den Film im Namen der vermeintlich guten Sache nun zu verteidigen. Seit neben vollkommen parteiunabhängiger Kritik auch Statements von AfD-Politikern öffentlich sind, lässt sich ja prima zum Schulterschluss gegen rechtspopulistische Angriffe aufrufen. Und so kann man inzwischen lesen:

„Der Film ist ein gelungenes Beispiel, wie man die facettenreiche Problematik beleuchtet, die bei einer solchen Beziehung entstehen kann“, sagt die Medienexpertin vom „Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen“ (IZI) zu FOCUS Online. Das IZI in München wird von mehreren privaten und öffentlichen Trägern gefördert, unter anderem dem Bayerischen Rundfunk.

„Aber das Ende ist offen“

Bei diesen Förderern könnte das Urteil vielleicht in seiner Unabhängigkeit etwas getrübt sein, aber das soll hier nicht Thema sein. Interessant ist das Argument, mit dem sie den Film verteidigt: Dieser sei „fast eine Warnung an die Mädchen“. Der FOCUS zitiert sie weiter:

Richtig sei, dass der Film vor allem von den Konflikten in einer solchen Beziehung handele. „Malvina steht ganz klar im Mittelpunkt – mit all den Problemen in ihrer Beziehung, die sie hat und auch sehr deutlich artikuliert“, sagt Götz.

Malvina mache sehr deutlich, dass sie Forderungen wie das Tragen von Kopftüchern oder Intoleranz gegenüber Homosexuellen nicht akzeptiert, ergänzt Götz. Die beiden Jugendlichen, die sich in einem Flüchtlingsheim in Hessen kennengelernt haben, gäben sich Mühe, die Beziehung aufrecht zu erhalten. „Aber das Ende ist offen. Von einem Happy End kann wirklich keine Rede sein.“

Die Expertin nennt noch ein weiteres wichtiges Element: Malvina sei eine starke Person. Eine gefährliche Wirkung hätte die Doku laut Götz hingegen entwickeln können, wenn sie Mädchen gezeigt hätte, die im Gegensatz zu Malvina nur über ein „gering ausgeprägtes Selbstvertrauen“ verfügten. Diese könnten eher auf die oft religiös begründeten Einschränkungen ihres islamischen Partners eingehen. „Das ist aus meiner Sicht ein ganz großer Pluspunkt der Doku. Denn daraus hätten junge Mädchen falsche Schlüsse ziehen können“, so Maya Götz.

Verliebt, verschleiert, verschwunden

Kurz zur Erinnerung: Der Film zeigt, dass sich Malvina nur noch züchtig kleidet, kein Schweinefleisch mehr isst, ihre Freunde nicht mehr umarmt – all das, weil der syrische Freund es so will. Bei Kopftuch und Glaubenswechsel diskutiert sie noch. Das ist also die vorbildhafte starke Person, die eigene Werte hoch hält und so den zugewanderten Freund animiert, sich auf hiesige Sitten und Gebräuche einzulassen? Was wir sehen ist das Gegenteil, nur in einer Light-Version. Und diese Light-Version beschönigt, was auch kurz und schmerzvoll so ablaufen kann, wie es eine aktuelle Zeitungsmeldung zusammenfasst:

Juliane H. (16) aus Hamburg war ein normaler Teenager, ging tanzen und schminkte sich. Dann verliebte sie sich in einen Asylbewerber aus Algerien, konvertierte zum Islam und verschleierte sich. Nachdem ihr Freund abgeschoben wurde, verschwand Juliane.

Der weitere Verbleib von Juliane ist derzeit unbekannt. Ebenso weiß niemand, ob und wann Malvina sich ein Kopftuch anzieht oder wie ihr prinzipientreuer Freund reagiert, wenn sie demnächst Trennungsabsichten hegt und er seine Ehre dadurch verletzt sieht.

Das Schweigen über unislamischen Beziehungen

Schüler, die ihren Unterricht bei Pädagogen wie Benedikt Karl genießen, werden sich vielleicht zwangsläufig ein Urteil über diesen Film bilden müssen. Der Sprecher des Bayerischen Philologenverbandes findet, das KIKA-Werk trage „dazu bei, zu erläutern, wie wichtig es ist, Toleranz gegenüber anderen Kulturen zu zeigen und sich eine reflektierte Meinung zu bilden“. Deshalb könne er sich auch vorstellen, den Film im Unterricht zu zeigen.

Zur reflektierten Meinungsbildung würde es allerdings zuvörderst gehören, zu erläutern, dass nach islamischem Verständnis höchstens eine Beziehung eines Muslims mit einer Christin möglich ist und das auch nur, wenn sichergestellt ist, dass spätere gemeinsame Nachkommen als Muslime aufwachsen. Jedoch darf sich kein „Ungläubiger“ einer Muslima nähern. Das ist nach Allahs Willen, verkündet durch den Propheten Mohammed, vollkommen ausgeschlossen und strikt verboten. Diese Regel vertreten übrigens auch die meisten der in der Deutschen Islamkonferenz vertretenen Verbände, mit denen die Bundesregierung so gern über das neue Zusammenleben verhandelt.

Ist das also die versprochene Integration, wenn deutsche Töchter (Söhne dürfen ja nicht, es sei denn sie konvertieren vorher) in arabische Großfamilien einheiraten? Dann würde vielleicht auch ein Blick auf die sogenannten Ehrenmorde zur reflektierten Meinungsbildung dazugehören. Wenn der KIKA-Film-Fan vom Philologenverband diese für extrem seltene Einzelfälle hält, dann sei ihm ein Blick auf die Seite ehrenmord.de empfohlen. Vor allem lohnen sich die Klicks auf die jeweiligen Geschichten. Die sind mitunter lehrreicher als der KIKA-Stoff.

1 Kommentar

  1. Kritiker 2018

    Das Ende ist eben nicht offen, wie Focus Meint, das Ende war für Maria und Mia, um nur zwei Fälle zu nennen, eben das Ende, das abgeschlossene Ende ihres Lebens.

    Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.